BJ45: Die Evolution zum perfekten Reisefahrzeug

Als Ulrich Schlenk Mitte der Achtziger auf der Suche nach einem Reisefahrzeug war, hielt er eigentlich Ausschau nach einem Toyota Hilux. Das, so meinte er, sei der beste Kompromiss beim vorhandenen Budget. Als er eines Tages auf die spärliche Anzeige „Toyoty 4×4 Pick-up“ in einer Zeitschrift antwortete (damals hat man das so gemacht, die älteren unter uns erinnern sich sicher), stand er kurz darauf jedoch vor einem Land Cruiser: Ein BJ45 Pick-up in senfgelb, Baujahr 1984 und damit erst 2 Jahre jung. Da Ulrich schon zuvor viele Jahre in Afrika unterwegs war, war ihm der Land Cruiser natürlich sehr geläufig: „Es gibt nichts besseres“, dachte er sich, und der Deal war perfekt.

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Daheim angekommen, beschloss er den Bau einer Reisekabine, die er einfach auf die bestehende Ladefläche schieben könnte. Also baute er einen Rahmen, setzte Polyester-Sandwich-Platten aus dem Kühlfahrzeugbau hinein und baute die Kabine reisetauglich aus. Der Ausbau, so meint er heute rückblickend, wäre schlicht perfekt gewesen und hätte sich bestens bewährt. Bis auf zwei ganz entscheidende „Kleinigkeiten“: Erstens war die Tür hinten, was nunmal immer die schmutzigste Seite eines Reisefahrzeuges ist, und zweitens war die Kabine ein kleines bisschen zu hoch. Wollte er den Land Cruiser in einen Container verladen, musste er immer erst die Dachluke abbauen und die Luft aus den Reifen lassen. Auch doof, irgendwie…aber manchen Fehler bemerkt man eben erst so richtig, nachdem man ihn gemacht hat.

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Dennoch: Endlich ging es los mit der neuen Kabine. Die erste grosse Reise ging über das damalige Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Iran, Pakistan, Nepal bis nach Indien. Von Madras dann mit dem Schiff nach Australien, nach 6 Monaten Down Under wieder mit dem Schiff nach Durban in Südafrika und dann über Namibia, Botswana, Simbabwe, Sambia, Zaire, Kongo, Gabun, Kamerun, Nigeria, Niger, Mali, Algerien, Marokko und über die Strasse von Gibraltar wieder nach Europa. Zwei Jahre und 100.000 km später war Ulrich wieder daheim und immer noch vom Land Cruiser überzeugt: Keine einzige technische Panne, der Ausbau perfekt, das Auto zuverlässig und einfach ein Traum…wenn da die zwei kleinen Konstruktionsfehlerchen nicht wären. Das aber rückte erst einmal in den Hintergrund. Ulrich gründete eine Firma, dann eine Familie, und da er ohnehin nicht mehr auf große Reise ging, demontierte er die Kabine wieder und nutzte den Land Cruiser ganz normal als Lastenesel.

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Aber wie das bei Reisenden nunmal so ist: Nach ein paar Jahren kam „ES“ wieder…das Reisefieber.

Also begab sich Ulrich wieder an die Planung und brachte seine Gedanken zu einer neuen Kabine zu Papier: Besser als die alte, natürlich, und auch optisch passender zum 45er. Als Wandaufbau entschied er sich für 2 mm Aluminium außen – 20 mm Isolation – 6 mm Sperrholz innen. Die Tür sollte natürlich unbedingt auf der Seite sein, und die Gesamthöhe sollte zugunsten der Containertauglichkeit 2,27 Meter nicht überschreiten. Außerdem sollte die Kabine nicht breiter als das Fahrzeug werden und der Schwerpunkt sollte möglichst niedrig liegen.

Und wenn man sich das Ergebnis so anschaut, dann hat Ulrich definitiv alles richtig gemacht:

2016-05 J4 Meeting Peter Sadtler 10

Die Bauzeit betrug rund ein Jahr, unter der Kabine sitzt ein zusätzlicher 150-Liter-Dieseltank, dazu gibt es Raum für 75 Liter Wasser und zwei Gasflaschen. Die erste Probefahrt führte Cruiser und Besatzung zum „Série-4“-Treffen nach Frankreich, wo der senfgelbe sicher zu den meistfotografierten Motiven zählte. Danach ging es nach Schottland für eine erste ernsthafte Erprobung – und auch hier zeigte sich: Kabine und Ausbau sind sehr gut gelungen. Die nächste große Reise kann also kommen!

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