(§D) Blaue Plakette: Um was geht’s hier eigentlich?

Die roten, gelben, grünen Plaketten und die zugehörigen Umweltzonen widmen sich bekanntlich dem Ziel der Feinstaubreduzierung. Nun soll auch gegen die Stickoxid-Emissionen vorgegangen werden: Die Umweltminister von Bund und Ländern haben sich auf die Einführung einer „blauen Plakette“ für Fahrzeuge mit „geringem Schadstoffausstoß“ verständigt. Ziel ist dabei die Reduzierung der NOx-Belastung in den Innenstädten. Stickoxide greifen beim Menschen die Schleimhäute und dem Atemapparat an, gelten auch Verantwortlich für Herz- und Kreislauferkrankungen. Die eventuelle Einführung der mit der blauen Plakette verknüpften Beschränkungen obliegen den Kommunen selbst.

Wann diese neue Regelung startet, ist bislang noch unklar: Die Umweltministerkonferenz hat die Bundesregierung zunächst gebeten, eine neue Kennzeichnung für Autos mit geringem Stickoxidausstoß zu entwickeln, eine fertige Vorlage auf Basis der Umweltzonenverordnung könnte noch dieses Jahr fertig werden. Die Kommunen wünschen sich eine baldige Regelung des Themas, das brächte ihnen Planungssicherheit für ihre Luftreinhaltepläne.

Trotzdem kann es noch ein wenig dauern, bis die ersten „blauen Zonen“ eingerichtet werden: Stuttgart möchte erst 2019 damit starten, und das auch nur, wenn sich die Luftquälität bis dahin nicht auch durch andere Maßnahmen verbessert hat. Was, wie wir alle ahnen, bei Stuttgart nicht unbedingt der Fall sein wird. Und: Stuttgart möchte die blaue Plakette auch nur einführen, wenn 80% der zugelassenen PKW sie auch erhalten würden. Immerhin.

Bleibt die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um sich den blauen Aufkleber anheften zu dürfen. Bislang wird diskutiert: Fahrzeuge mit Ottomotoren ab Euro 3 und Dieselfahrzeuge ab Euro 6. Das würde bedeuten, dass sage und schreibe 13 Millionen Dieselfahrzeuge von einem Fahrverbot in blauen Zonen betroffen wären, immerhin wurden die letzten Euro-5-Autos im Sommer letzten Jahres verkauft. Und *schwupps* ist Dein fast nagelneues Auto im Handumdrehen veraltet. Eine schöne Aussicht.

Neben den Zahlen „auf dem Papier“ soll künftig auch der reale NOx-Ausstoß auf der Straße herangezogen werden. Diese sogenannten „Real Driving Emissions“ sollen ab 2017 für die Typzulassungen neuer Pkw erhoben werden, ab 2019 gelten sie für alle Neuwagen. Bei den heute erhältlichen Fahrzeugen, die die Euro-6-Norm erfüllen, dürfte der überwiegende Teil in der Praxis deutlich mehr NOx ausstoßen als erlaubt. Ob diese Fahrzeuge dann auf Basis der Real Drive Emissions auch eine blaue Plakette erhalten würden, steht in den Sternen. Sicher wird es Übergangsregelungen geben, aber hier werden sicher auch die Hersteller zur Verantwortung gezogen bzw. zur Nachbesserung aufgefordert.

Bei den Ottomotoren wird es noch komplizierter: Umweltschützer fordern, für Modelle mit Direkteinspritzung die Abgasnorm Euro 6 zur Grundlage der Plakettenerteilung zu machen. Für Autos ohne Direkteinspritzung soll dann die Euro-3-Grenze gelten. Hintergrund: Direkteinspritzende Benziner, in der Regel Turbomotoren, sind zwar sparsamer als die sogenannten Saugrohreinspritzer, haben aber tendenziell Probleme mit teils hohem Stickoxid- und Rußausstoß. Und das lässt sich natürlich auch nicht durch Nachrüstung ändern.

Und was folgt daraus? Weitere Fahrverbotszonen, weitere Verwirrung allenthalben und eine Menge Fahrzeuge, die auf einen Schlag eine ganze Menge an Wert verlieren. Wer kauft heutzutage noch ein Fahrzeug mit roter Plakette?

Und auch die Industrie wird sich nicht sonderlich freuen. Die braucht den Diesel nämlich im Portfolio, um die kommenden CO2-Grenzwerte einzuhalten.

 

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