Das „Schwarzwald-Camp“: Mit dem Cruiser ins Survival-Camp

Gestern Morgen startete das zweite „Schwarzwald-Camp“, eine einwöchige Show verschiedener lokaler Radio- und Fernsehsender aus dem Schwarzwald. Das ganze ist eine Art „Survival Camp“, allerdings mit authentischer Note: Statt „Ekelprüfungen“ und vorbereitetem gemütlichem Camp mit Vollversorgung müssen die 12 Teilnehmer sich unter Anleitung des Überlebenstrainers Joe Vogel (ihn kennt der eine oder andere vielleicht von DMAX) tatsächlich erstmal darum kümmern, ihr Camp aufzubauen und sich dann eine Woche lang auch aus der Natur ernähren.

Wenn es Euch so geht wie mir, dann könnt Ihr die ganzen „Dschungel-Camps“ und „Wild Islands“ dieser surrealen Fernseh-Welt nicht mehr ertragen: Show, Drama, Überzeichnung, Erniedrigung, Skript…das Unechte hat spätestens dann seinen Reiz verloren, wenn man es als unecht erkennt.

Natürlich spielt das Schwarzwald-Camp auch ein wenig mit diesen Mechanismen, und ich für meinen Teil wünsche mir, dass dieser billige Abklatsch eines süffisanten RTL-Kommentars ganz schnell aus den dort produzierten Beiträgen verschwindet…dennoch: Diese Version eines „Camps“ hat tatsächlich etwas: Die Kandidaten haben nichts dabei außer persönlichen Utensilien, Isomatte, Schlafsack. Und da waren ganz schön dünne Schlafsäcke dabei, wenn ich das richtig gesehen habe. Die Truppe bleibt eine Woche draußen, abgeschirmt von allem und gezwungen, sich um ihr Überleben selbst zu kümmern. Und das, wohlgemerkt, nicht im Sommer in Australien, sondern im November im Hochschwarzwald. „Sommerfrische“ ist anders.

Gestartet wurde beim Toyota-Autohaus Stähle in Achern: Dort trafen nach und nach die Kandidaten mit ihren Familien ein, es gab eine Verabschiedung (bei manchen emotionaler als bei anderen), danach wurde der Kandidat von einem ziemlich fehl am Platz wirkenden Security-Mann mit Sonnenbrille durchsucht und zur Abgabe des Mobiltelefons aufgefordert, in ein Auto gesetzt und zum Camp gefahren. Marcel vom ATLC hatte eine handvoll Land-Cruiser-Fahrer mit J4, J6, J8 zusammengetrommelt, ergänzt wurde die Flotte durch ein, zwei Avensis und Auris und einen J150.

„Meine“ Kandidatin war Yasemin, und das war ein echter Glücksgriff: 18 Jahre alt, gerade fertig mit dem Fachabi, mitten in der Bewerbung für die Filmhochschule und ein echter Sonnenschein. Ihr Traum ist es, Schauspielerin zu werden…aber eben nicht auf die „jaja, träumen darf man ja“-Art, sondern handfest, realistisch, herrlich begeistert und so sehr von einem angenehmen und grundehrlichen Ehrgeiz erfüllt, dass sie förmlich glühte. Klingt jetzt vielleicht lustig, aber: Das sind Begegnungen, die den Glauben an die nächste Generation aufrecht erhalten, denn sie wird ihren Weg definitiv machen, und zwar auf eigene Faust und ohne dieses ständige nervtötende antriebslose Rumgenöle. Tolles Mädchen! Auf die Frage, warum sie sich das antut, kam als Antwort: Naja, sie hätte zwar absolut keine Ahnung vom Leben draußen, aber sie möchte es gerne lernen, kann ja nix schaden, und außerdem könne sie die 5.000 Euro Siegprämie sehr gut fürs Studium gebrauchen, das würde ihr den Einstieg deutlich erleichtern. Und: Sie hatte das Gefühl, dass noch irgendwas fehlt, um das Jahr „komplett“ zu machen.

Von ihrer Einstellung her ist Yasemin eine echte Buschtaxlerin! 🙂

Und so ist sie also leicht nervös, aber ansteckend fröhlich zu mir in den klapprigen BJ gestiegen und ich habe sie eine Stunde lang auf verwirrender Route quer durch den Schwarzwald bis zu einer Lichtung am Waldesrand gekarrt, wo der Rest auf sie wartete. Ich durfte ihr nicht verraten, wo es hingeht, und auf meine Routenbeschreibung musste ich heimlich spicken. Wurde mir zumindest vorher eingebläut. Aber es hätte eh keinen Zweck gehabt, den Zettel meiner Beifahrerin in die Hand zu drücken: „Das was Ihr alle Orientierungssinn nennt, das habe ich nicht…“, sagte sie schon beim Einsteigen. Ich bin irgendwie froh, dass sie die Tür gefunden hat. Zum Abschied entfuhr ihr dann allerdings: „Wenn sie mich im Interview fragen, was das beste an der Woche war, dann sage ich ‚DIE ANFAAAAAAAHRT MIT ALEX!!!'“ Eine geborene Schauspielerin. ;-)

Irgendwann zwischendrin, als wir uns recht intensiv über Authentizität, Lebensträume, Hartnäckigkeit und „seinen Weg gehen“ unterhalten hatten und ich den Vergleich „DSDS vs. Voice of Germany“ brachte, sagte sie unvermittelt: „Andere gehen als gescheiterte, ausgebrannte Schauspieler ins Dschungelcamp – ich dreh’s um und fange damit an, dann habe ich es hinter mir.“ – „Gute Story!“, dachte ich mir. ;)

Und so lief sie dann mit ihrem Rucksack über die Wiese, und ich dachte mir: „Na Glückwunsch, das wird eine kalte Woche…“

Als wir Fahrer dann noch ein paar Minuten da oben auf dieser zugigen Wiese standen, habe ich Marcel angeschaut und ihn gefragt: „Dätsch Du jetzt e gonzi Woch do usse bliebe welle?“ – „Hajo, middeme Toyo sofort!“ („Würdest Du jetzt eine ganze Woche lang hier draußen bleiben wollen?“ – „Mit dem Land Cruiser und der Kabine sofort“) Der Schwarzwälder an sich ist da eher pragmatisch veranlagt: Warum auf Komfort verzichten, wenn man ihn sich hart erarbeitet hat? ;-)

Ich wünsche den Kandidaten viel, viel Glück und keine Lungenentzündung. Und ich mache jetzt, was ich normalerweise nie mache: Wer Lust hat und es nicht allzu doof findet, darf zum Hörer greifen, 50 Cent ausgeben und Yasemins Nummer wählen…sie hat die 5 tsd. Euro als Einstieg in ihre Zukunft mehr als verdient! 🙂

0137-88044-08
Das Voting ist von Sonntag den 15.11 ab 19 Uhr bis Samstag den 21.11 bis 15 Uhr freigeschaltet.
(50 Cent aus dem Deutschen Festnetz, Mobilfunkkosten können abweichen)

Website:
http://www.das-schwarzwaldcamp.de/

Bewegtbild:
http://www.mittelbadische-presse.tv/search/title/swc2015/description/swc2015/tags/swc2015/type/all/categoriesopt/0

Joe Vogel:
http://vivalranger.com/

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