Der Bandeirante

Schon 1955 hatte Toyota den Land Cruiser nach Brasilien exportiert, ab 1959 wurde der FJ25 bei Toyota do Brasil montiert – in der „Completely Knocked Down“-Montage, also auf Basis komplett zerlegt angelieferter Bausätze. Aufgrund der rasant steigenden Nachfrage in Südamerika wurde die Entscheidung getroffen, im brasilianischen São Bernardo do Campo eine eigene, komplette Fertigung aufzubauen. 1962 war es soweit: Der J4 wurde fortan als „Toyota Bandeirante“ bei Toyota do Brasil produziert, ab 1968 auch ohne jede Teilelieferung aus Japan.
Bestückt wurden die brasilianischen Toyos mit Diesel-Motoren von Mercedes-Benz: Zuerst der OM326, ab 1973 der OM314, später der OM364 und gegen Ende der von Daihatsu produzierte Toyota-Motor 14B. Folgerichtig hießen die Bandeirante Modelle zuerst „OJ“, trugen danach jedoch verwirrenderweise keine „4“ im Kürzel wie der J4, sondern eine „5“: „OJ50L“ war z.B. der kurze Linkslenker mit Softtop.

Auf vier Radstände verteilt gab es offene und geschlossene Fahrzeuge, Pick Ups in kurz und lang und ab 1983 sogar einen Pick Up mit Doppelkabine. Ebenfalls 1983 bekamen die Bandeirante im Rahmen eines Facelifts eckige Scheinwerfer mit einer etwas klobigen schwarzen Kunststoffbrille. Über die Jahre gab es einige Verbesserungen – und Zeit dazu hatten die Entwickler noch genügend: Während 1986 die letzten „echten“ J4-Fahrgestelle vom Band rollten, wurde in São Bernardo do Campo fleißig weiterproduziert. Aus dem gleichen Grunde, warum die Produktion in Brasilien einst begann, wurde sie nun weitergeführt: Importfahrzeuge waren verboten und die heimische Automobilindustrie war praktisch nicht existent. Der Bandeirante hatte es sich in seinem Nest äußerst bequem gemacht, und die Nachfrage war ordentlich: Alleine 1991 rollten 6750 Exemplare vom Band.

1991 hob Brasilien das Importverbot auf, und der Wettbewerb drängte auf den riesigen Markt. Der Bandeirante hatte nun schwer zu kämpfen: Mit einem eigentlich veralteten Konzept, schwachen und durstigen Motoren und den Qualitätsproblemen, die sich über die Jahre in der „Schutzzone“ eingeschlichen hatten, stand der Bandeirante auf verlorenem Posten. In den folgenden Jahren wurde ein wenig aufgerüstet, um die Palette ein wenig attraktiver zu machen: 1993 wurde ein manuelles 5-Gang-Getriebe eingeführt, 1994 wurde der schwächliche Mercedes-Motor gegen den 14B ersetzt, einen von Daihatsu für Toyota produzierten 4-Zylinder-Reihendiesel mit knapp 3,7 Litern Hubraum. Ab nun hießen die Bandeirantes folgerichtig „BJ5x“.

1999 lief schließlich der 100.000ste Bandeirante vom Band, was mit einem quietschgelben Sondermodell gefeiert wurde. Ein Jahr später war allerdings schon klar, dass der 14B die kommenden Emissionsrichtlinien nicht einhalten würde. Nach Durchführung einer Marktstudie für den Einsatz moderner Turbodieselmotoren wurde entschieden, die Produktion im November 2001 einzustellen. Damit lief nach 46 Jahren das letzte Exemplar dieser knorrigen Karosserie vom Band, die im Grunde genommen schon mit dem J2 eingeführt wurde.


Die ganze Geschichte gibt es hier: „Legende Land Cruiser“, Alexander Wohlfarth, Heel Verlag, ISBN 978-3-86852-213-6, EUR 39,95…bestellbar gerne direkt bei mir: netzmeister@buschtaxi.de 🙂

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