Der Viskolüfter: Funktionsweise und Instandsetzung

Früher war das Lüfterrad starr mit der Kurbelwelle verbunden: Je schneller der Motor dreht, desto schneller dreht sich auch das Lüfterrad. Das steht dem Kühlungsbedarf des Motors jedoch genau entgegen: Bei hohen Geschwindigkeiten reicht meist der Fahrtwind vollkommen aus, bei niedrigen Geschwindigkeiten müsste das Rad jedoch eigentlich ordentlich „schaufeln“.

Beim Viskolüfter ist diese starre Verbindung aufgehoben: Sie wird im Bedarfsfall (ähnlich der Viskokupplung) durch Viskoseflüssigkeit hergestellt. Die Drehmomentübertragung ist damit Temperaturabhängig: Wird der Kühler heiß, erwärmt sich auch die davor liegende Viskokupplung und mit ihr die darauf befestigte Bimetallfeder. Diese öffnet ein Ventil, woraufhin Viskoflüssigkeit in den Arbeitsraum gepumpt wird und den Kraftschluß herstellt – das Lüfterrad dreht.

Bilder zur Arbeitsweise bei kfz-tech.de: http://www.kfz-tech.de/ViskoluefterZ.htm

Und was, wenn der Viskolüfter nicht mehr so läuft, wie er soll?

Text und Fotos: Peter Cordes

Ein Mythos, der immer wiederkehrend nicht nur durch das Forum sondern auch durch die Köpfe der wärmegeplagten Cruiser- und Luxfahrer „cruist“ und „luxt“ und „4Runnt“ soll hier mal ein wenig bebildert werden.

Der Viscolüfter.

Allseits bekannt als „non-serviceable part“, also als nicht reparierbar, dringt immer wieder die Nachricht durch: „Ätsch, es geht doch!“

So auch in einem Thread der vor etwa einem Jahr seinen Abschluss fand, in dem ich zu eben diesem Thema fragte, wie man denn eigentlich das Visco-Öl nachfüllen könnte. Dankende Antwort von Wolli war seinerzeit (er nannte es selber sein „Lieblingsthema“) „Auf die Seite des Bimetalls legen, die vier Schrauben aufmachen und das Öl einfüllen.“

Nun ja, diese Antwort hat sich bei mir eingebrannt wie eine zu heisse Zylinderkopfdichtung, aber da ein 2H ja auch ohne Lüfter gut läuft (und nur im Sommer auf der Autobahn oberhalb 110 km/h warm wird) hat es halt ein wenig gebraucht, bis ich mir den Visco mal genauer unter die Lupe (und unter die Kamera) genommen habe.

Scheint ja nicht schwer zu sein.

Vorher wollte aber noch das Visco-Öl besorgt werden.

Ich also hin zum Toy-Händler, nach dem Öl gefragt und ein leichtes Kopfschütteln geerntet.

Die Teilenummer (die ich ja nun auch aus dem Forum kannte ) half dann aber flugs weiter und ein erstaunter Blick mit der Bemerkung „Das gibt’s ja wirklich …“ brachte mich dann schnell zum Ziel.

Wenige Tage später konnte ich das Öl abholen und mit knapp 20,- € incl. MWST für alle 3 Tuben auch in einem Gesamtbetrag bezahlen. So wurde es also ernst und ich baute den sagenumbobenen, geheimnisvollen Viscolüfter aus.

Da lag er nun in seiner vollen Pracht, der Lüfter mit Viscokupplung.

Ich erinnerte mich noch daran, dass die Worte „Bimetall prüfen“ durch das Forum hallten.
Somit machte ich mich auf die Suche nach eben selbigem und mit geschultem Blick fand ich ihn dann auch sofort.

Also: Heissluftfön her, warm gemacht und – siehe da – die Achse dreht sich.
Bimetall ist also in Ordnung, somit kann ja nichts mehr schiefgehen. (Dachte ich zumindest).

Also flugs das Lüfterrad von der Viscokupplung abgeschraubt.

Wie man unschwer erkennen kann, konnte sich wohl 1984 noch keine Einigung in den Bolzen einfinden, so dass eben 2 der Bolzen in der Kupplung blieben, die anderen beiden in klassischer Trotz-Manier sich lieber an den Mutter festklammerten und fluchtartig das Gehäuse der Viscokupplung verliessen.

Schiet egol, kann man ja auch so wieder eindrehen.

Jetzt noch eben die vier Schrauben geöffnet und dann …

Aber Moment mal, sagte Wolli etwas von vier (4) Schrauben ?
Ich sehe da derer acht (8).

Na macht nichts. Mache ich halt eben schnell die acht Schrauben auf.

Nun ja. „Acht“ war okay. „Auf“ war auch okay. Nur das mit dem „schnell“ war nicht so ganz. (Ein leiser Fluch machte sich auf den Weg, quer durch die Halle).

Die Kraft des Schraubendrehers sowie die Art der Verformung der Schraubenköpfe liessen mich erahnen: „Da muss noch irgendwas sein.“
Der Blick auf die Rückseite der Viscokupplung verriet mir dann auch, die Schrauben sind verpresst.

Also musste eine kleine Feile herhalten und die einzelnen Pressnarben auf der Rückseite in Kleinarbeit entfernen.
Das Gehäuse ist aus Alu, die Feile arbeitet gut, die Zeit rinnt dahin, die Flüche werden lauter.
Nach mehreren Schweissperlen (die vom Schwitzen, nicht die vom Schweissen) auf der Stirn und noch mehr Flüchen die durch die (glücklicherweise leere) Halle schallten hatte ich dann 5 der 8 Schrauben offen.

Nun war es wie 52 vor Christus, als ganz Gallien von den Römern erobert war. Ganz Gallien ? Nein ein kleines Dorf …
So wie seinerzeit das kleine Dorf, wehrten sich auch die restlichen drei Schrauben und gaben lieber ihren Kreuzschlitz auf als das sie sich auch nur eine Winkelminute drehen würden.

Offensichtlich gab es 52 vor Christus noch keine Akkubohrmaschinen und keine scharfen Dreiecksfeilen.
Denn mit Hilfe dieser Hilfsmittel gelang es mir – im Gegensatz zu den Römern – die letzten Widerspenstigen auch noch zu besiegen.
Allerdings erinnert das Aussehen dieser Schrauben nach dieser Schlacht dann doch wieder an den Zustand der Gallier (oder der Römer ?) gut 2000 Jahre zuvor (gewisse Ähnlichkeiten kehren wohl doch immer wieder).

Nichtsdestotrotz: Nach erfolgreicher Schlacht und viel zerronnener Zeit (ich wusste gar nicht, dass ich so viel verschiedene Flüche kenne) war die Viscokupplung dann auf.

Soviel zu „Nur die vier Schrauben aufmachen.“ Gell Wolli ?

Also war sie endlich offen, die Viscokupplung.

So sieht die eine Seite aus:

und so die andere:

Hier eine der Tuben mit dem Silikonöl (insgesamt hatte ich drei Tuben):

Und alles zusammen was zusammen gehört:

Man sieht sehr gut, dass noch ein gewisse Menge des begehrten Fluids in der Viscokupplung war, also muss ja jetzt nur noch aufgefüllt werden.

Apropos aufgefüllt.

Mir fiel natürlich erst jetzt, 15 km von meinem PC und mit dreckigen Klamotten am Leibe ein, dass ich nie gefragt hatte, wieviel Öl eigentlich als Sollstand in der Viscokupplung sein soll.
(Der nächste Fluch schallte durch die …)

Nun ja.

Dass es zu wenig ist, hatte ich ja bemerkt, weil der Lüfter nicht mehr richtig lief.
Also öffnete ich die erste Tube, füllte sie in die eine Hälfte der Kupplung. Donnerwetter ist das Zeug zähflüssig. Also erst mal das Loch in der Tube vergrößert und schwupps, war der Inhalt auch schon in den Untiefen der Viscokupplung verschwunden.

Die zweite gleich hinterher und dann – aber halt !
Die zweite Hälfte der Viscokupplung will ja auch noch was haben.

Also habe ich die dritte Tube der Hälfte mit dem Bimetall gegönnt.
Ich wusste gar nicht, dass Luftblasen so langsam an die Oberfläche steigen können. Ausserdem müssen sie sich wohl im Innern der Viscokupplung heimlich vermehren.
Jedenfalls ging die gesamte Füllung der dritten Tube in dieses vermeintlich kleine Spältchen hinein.

Glücklicherweise in das Siliconöl recht zähflüssig, sodass sich bei der Überlegung, wie ich jetzt diese beiden wohlgefüllten Hälften wieder zusammenbekomme, das Fluchen in Grenzen hielt (blödes Gefühl, wenn man vor dem geöffneten Mythos kniet und sich plötzlich dieser Gedanke breit macht.).

Aber: Ich war schneller als das Siliconöl und konnte praktisch verlustfrei die beiden Hälften der Viscokupplung wieder sauber zusammenfügen.

Jetzt nur noch schnell die Schrauben wieder rein …

Ähm…

Die Schrauben.

Fünfe gehen ja noch, aber die restlichen drei …
Ausserdem. Wo ist eigentlich das Loctite um die Schrauben dann zu sichern (anstelle der Verpressung) ?

Nun ja.

Nach kurzer Überlegung (und drei weiteren Flüchen) entschied ich dann aus dem „non-serviceable-part“ ein „servicable-part“ zu machen.

Nur noch schnell Schrauben in der richtigen Länge besorgt – warum gibt es beim Schraubenhändler eigentlich keine M6 x 25 in 8.8 ??? Ich hatte meinen J6 aber richtig eingeschätzt und für M6 x 30 war auch noch genügend Platz (Ich glaube, da würden sogar M6 x 100 reinpassen ).

Somit konnte ich den Visco-Mythos wieder zuschrauben und bemerkte, dass man sich in meinem Alter halt nur noch auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren kann. Das Loctite stand immer noch im Regal des Baumarktes. (In etwa diese Himmelsrichtung ging dann auch der nächste Fluch …).

Dafür hatte ich aber von einer der letzten Aktionen noch eine Handvoll selbstsichernde Muttern in M6 übrig, die ausserdem sehr gut mit den 5mm zu langen Schrauben harmonieren. (Absägen wollte ich die Schrauben nicht, um eine Umwucht zu vermeiden)

Nachdem also das „Schnell mal eben den Visco auffüllen“ den Tag verschlungen hatte, lag das Ergebnis in aller Pracht vor mir.

Siehe hier:

Gekontert mit den selbstsichernden Muttern sieht es fast so aus, als wenn es so gewollt gewesen wäre.

Besonders schön ist aber, dass nach Einbau des Lüfters und erster Probefahrt der Mythos Viscokupplung augenscheinlich wieder funktioniert.

Also hat es sich gelohnt (hoffe ich).

Jedem, der seine Viscokupplung wieder flott machen will, kann ich nur raten:

Mach‘ es. Es geht wirklich.

Plane aber für das „schnell mal eben“ lieber doch ein paar Stunden mehr ein.
Gell Wolli ?

Viscose Grüße
Onkelchen

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