Eine außergewöhnliche Restauration: Land Cruiser FJ62 by Sandlander

2017-09 sandlander fj62 01

Den Land Cruiser 60 gab es in den 9 Jahren seiner Bauzeit in zahlreichen Variationen. Die Karosserie gab es mit normalem Dach oder Hochdach, mit oder ohne Kotflügelverbreiterungen, mit Heckklappe oder geteilter Hecktür. Und unter der Haube gab es eine handvoll Motorvarianten: Am bekanntesten sind in Europa die mächtigen 4-Liter-Diesel der Baureihe „H“, namentlich als Saugdiesel „2H“ im HJ60 und als Turbodiesel-Direkteinspritzer „12H-T“ im HJ61. Die Varianten mit den nicht minder massiven Ottomotoren 2F, 3F oder gar 3F-E waren hierzulande eher selten – und auch weltweit war der Dieselanteil der höhere. Benziner sind also eher selten. Benziner mit Automatikgetriebe sind noch seltener, denn die wurden hauptsächlich im Heimatland Japan gefahren und waren in Europa nur auf Bestellung erhältlich.

Und dennoch klopfte vor drei Jahren ein altbekannter Kunde beim ungarischen Restaurationsspezialisten Sandlander an und wünschte sich genau das: Zur Erweiterung der Sammlung sollte sich Sandlander um einen Land Cruiser 60 mit Ottomotor, Automatikgetriebe und nicht mehr als 100.000 km originaler Laufleistung bemühen. Natürlich im Bestzustand, was auch sonst.

Eine unlösbare Aufgabe? Nun ja, es geht zumindest in diese Richtung. Der Land Cruiser 60 ist ein Langläufer: Km-Leistungen jenseits der Million sind nicht so wahnsinnig selten, und selbst wenn man ein Fahrzeug mit den geforderten max. 100 tsd. km findet, dürfte der Rostteufel hier schon ordentlich zugeschlagen haben: Das war und ist nämlich die große Schwachstelle der 60er (und anderer Land Cruiser). Sie laufen lange, sie laufen zuverlässig…aber sie fallen eben gerne der Korrosion anheim.

Acht Monate hatte das Team rund um László Pócsik nach einem geeigneten Basisfahrzeug gesucht, und die Grenzen der Suche wurden dabei Stück für Stück ausgedehnt. Schließlich fand sich ein FJ62 mit sagenhaften 107 tsd. km und einem erstaunlich gepflegten Zustand, inkl. Klimaanlage, elektrischer Fensterheber und auch sonst nahezu „vollausgestattet“. Ein extrem seltenes Schmuckstück. Der Führerschein des Eigentümers wurde eingezogen, und so entschied er sich blutenden Herzens, diesen Traum von einem Land Cruiser abzugeben. die vorderen Bremsscheiben waren noch original, doch hatte hier und da der Rost schon zugeschlagen. Und es wurde offensichtlich auch schon nachgearbeitet, allerdings auf eher schlechtem Niveau. Es war ohne Frage das perfekte Fahrzeug, aber es wartete einiges an Arbeit auf die Sandlander-Leute.

2017-09 sandlander fj62 03

Und dann taten sie, was sie am besten können: Komplett zerlegen, alles aufarbeiten, die unrettbaren Teile erneuern, wieder zusammenbauen. Die Bezüge zum Beispiel wurden gewechselt, das Armaturenbrett kam aus einem Handelslager in Neuseeland, viele andere Teile wurden hier und da besorgt oder kamen aus dem eigenen Lager. Nicht alle J6-Teile sind heutzutage jederzeit in Massen verfügbar, und hin und wieder sind sie auch“preisintensiv“: Für den Preis der fünf Originalfelgen z.B. kaufen andere Leute ganze Autos.

Mit anderen Worten: Der 62er wurde im Rahmen einer monatelangen Vollrestauration unter möglichst hoher Beibehaltung der originalen Teile komplett aufgearbeitet. Und die Erhaltung der Originalteile nimmt Sandlander ernst: Möglichst viel der Geschichte soll erhalten bleiben, ein Austausch wird nur im Notfall vorgenommen.

Das Ergebnis ist – und es gibt definitiv kein anderes Wort dafür – spektakulär. Dennoch ist er nicht „überrestauriert“: Der FJ62 steht da wie frisch vom Band gerollt, aber (bis auf den Rostschutz) auch nicht „besser als neu“. Und das ist auch das schöne daran: Das Finish ist nicht überperfekt, es ist zeitgemäß und wunderschön anzuschauen. Und: Es ist ein Land Cruiser, der gefahren werden will.

 

Related Images:

Print Friendly, PDF & Email

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

Or
Follow

Follow this blog

Get every new post delivered right to your inbox.

Email address