Fahrbericht: Toyota Megacruiser

Toyota Megacruiser…der „Über-Cruiser“?

Was hätte man, wenn man einen Hummer mit Zuverlässigkeit ausstattete? Richtig: Das nahezu perfekte Fahrzeug!* „Klingt eigentlich nach einem Job für uns“ dachten sich die Toyota-Ingenieure und machten sich ans Werk. Um einfach mal zu sehen, ob sie das auch können. Nun, sie konnten es. Und was dabei rauskam sieht nicht nur aus wie die ultimative Gelände-Maschine.

Es gibt nicht viele Fahrzeuge, die mir ein lange nachhaltendes grenzdebiles Dauergrinsen ins Gesicht zaubern. Das BMW M Coupé gehört dazu, ein Lotus Elise, ein 1300er Unimog und ein gut ausgestatteter HDJ71…Fahrzeuge eben, die in ihrer Sparte absolute und unübertreffliche Maßstäbe setzen. Die Perfektion auf Rädern. Und im Falle des Megacruisers sind das ganz schön mächtige Räder…aber dazu kommen wir gleich.

Und da stehe ich nun in der Werkstatt des Autohaus Nix in Wächtersbach und das Teil steht vor mir: noch geradliniger als ein HZJ und von den Ausmaßen her noch näher an einer Doppelgarage. Die Front ist im ersten Augenblick ein wenig gewöhnungsbedürftig und so garnicht Toyota-like, der typisch japanische Spiegel thront auf dem Kotflügel und gemahnt zusätzlich an die Breite. Als hätte man die Zivilversion vom Hummer zu Treser geschickt, die machen doch auch immer solche Plastikblenden an die Audis dran…

Die Front ist gewöhnungsbedürftig, eindeutig…

Werner Nix sacht erstmal nix. Der Besitzer dieses seltenen Stückes kennt sich mit Blicken aus: die ungläubigen Blicke der Passanten, die staunenden Blicke kleiner Jungen, die interessierten Blicke seiner Kundschaft. Und auch diesen kühl-musternden Blick mit den hin- und herwandernden Augen kennt er, den ich seit dem Betreten der Werkstatt im Gesicht habe. Lange sieht er den jedoch nicht, da ich schon 20 Sekunden später erst einmal komplett unter dem Auto verschwunden bin – Platz genug ist da bei immerhin 42 Zentimetern Bodenfreiheit. Was nicht unwesentlich von den riesigen Rädern bestimmt wird. Aber dazu später mehr…

Viel sehen kann ich jedoch auch da unten nicht, da der gesamte Unterboden von Tank oder Blech verdeckt und geschützt ist.

Aber immerhin muß ja das Fahrwerk rausschauen und kann sich so nicht meinen Blicken entziehen. 4 einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängte (auch aus diesem Blickwinkel riesige, aber dazu später mehr) Räder sehe ich da, mit Drehstabfedern und Portalachsen. „Hmm, Drehstabfedern“ denke ich mir und erinnere mich an meinen verflossenen HiLux. „Na, schau´n mer mal“.

Als ich wieder hervorgekrochen und aufgestanden bin, fiel mein Blick unweigerlich auf die Türgriffe – und ich bin begeistert: „die muß ich auch haben“ denke ich mir und verwerfe den Gedanken gleich wieder, ist eh nicht zu realisieren. Toll sind sie trotzdem: endlich mal was anderes, ausgefallen, nett anzuschauen und technisch ausgereift. Und so wandert mein Blick weiter: über die Motorhaubenverriegelung (die einteilige Haube öffnet nach vorne), die massiven Außenspiegel, den Auspuff vor dem rechten (recht großen – aber dazu gleich mehr) Hinterrad zur gerade von Meister Nix ausgeklappten Trittstufe am Heck. „Die muß ich haben“ denke ich auch hier und reiße mich gleich wieder zusammen. Durchdacht, funktionell, haltbar und bei aller technischen Finesse und Reduktion trotzdem formschön. Gedanken von nächtlichen mit dem Ratschenkasten bewaffneten Einbrüchen bemächtigen sich meiner, als mich der Hausherr anspricht: „Wolln mer?“. Aber ja doch. Nix lieber als das!


Die Türgriffe sind wirklich ein Leckerbissen!

Ich brauche unbedingt die Teilenummer dieser Trittstufe…

Ich hebe also mein Bein, überwinde eine beachtliche Höhendifferenz (was nicht zuletzt mit der Bereifung zusammenhängt, aber dazu gleich mehr), entere den Innenraum und finde nach längerem Suchen und Umherirren auch den Sitz. In der Ferne, auf der anderen Seite der Mittelkonsole, sehe ich auf der (rechten) Seite das Lenkrad und die diversen Hebelchen und Schalter, allen voran für die 4-Gang-Automatik, die Untersetzung, die Reifenfüllanlage, die 3 100%-Sperren…der Kenner erkennt sogleich den permanenten Allradantrieb.

Nun denn, es geht los. Erster Eindruck: das tiefe Grollen des mächtigen Triebwerkes. Zweiter Eindruck: das Getöse eben dieses Triebwerkes beim Gasgeben. Da werkeln immerhin 4 Zylinder mit jeweils 1,026 Litern – macht zusammen 4.104 ccm Hubraum und ein unschlagbares Kammervolumen. Und das ganze auch noch reihengeschaltet, turbogeladen und ladeluftgekühlt. Heraus kommen dabei 170 recht muntere Pferdchen, wenn auch keine Araber sondern eher Haflinger. Trotz allem ist das ganze sehr angenehm und keinesfalls ruppig oder unkultiviert.

Der nächste Eindruck überrascht mich noch bevor ich mich an die Außenmaße gewöhnen konnte: schon beim Einbiegen auf die Straße meldet mein Popometer eine ungewöhnliche Querbewegung des Hecks. Was aber weder an den 170 Pferden noch an der nassen und schneebedeckten Straße lag, sondern an der Allradlenkung. Ist schon ein seltsames Gefühl im ersten Moment: irgendwas passiert da hinten, was da eigentlich nicht hingehört. Aber es läßt einem urplötzlich die ungeahnten Möglichkeiten bewußt werden, die einem durch diese mächtige Funktion in die Hand gegeben werden. Traumblasen von kniffligen Geländepassagen steigen in mir auf, während wir schon wieder abbiegen. Und plötzlich stehen wir inmitten einer solchen: eine Böschung, ca. 1,5 m hoch und so steil, wie Böschungen am Wegesrand nun mal sind. Eben noch in Wegesrichtung, stehen wir schon senkrecht dazu und gehen die Böschung an. Man merkt, daß die (übrigens mächtig großen) Bridgestone so ihre Probleme mit dem nassen Gras haben, merkt aber auch, daß dieses Auto und damit auch den, der hinter dem Volant thront, nix aus der Ruhe bringen kann. Denn was bitteschön soll schon passieren? Umkippen??? Daß ich nicht lache…! Das Fahrwerk, die Abmessungen, der Schwerpunkt, die Maschine – das alles vermittelt einen unglaublichen Eindruck der Überlegenheit. Auch dann noch, als das linke Hinterrad (das übrigens beeindruckende Ausmaße hat) bereits einen knappen Meter über dem Boden schwebt. Wir fahren die Böschung noch einmal an und die Kiste ist oben. Eine kurze (und sehr, sehr enge) Wendung und es geht wieder abwärts.

Weiter geht’s über ein paar Feldwege. Das Triebwerk verrichtet stoisch seinen Dienst – auch durch einen beherzten Druck aufs Gaspedal läßt es sich nicht schrecken. Er beschleunigt, Turbo und Intercooler machen sich eindeutig und lautstark bemerkbar. Aber man merkt erwartungsgemäß, daß hohe Drehzahlen nicht sein Ding sind. Wozu auch. Da liegen bereits bei 422 Nm Drehmoment bei 1600 Umdrehungen an. Zur Erinnerung: ein 1HZ hat 280 davon. Und die 170 Pferdchen verrichten schon ab ca. 3000 Touren ihre Dienste. Wozu braucht man da eigentlich Drehzahl.

Wir nehmen eine kurze Abkürzung über einen gefrorenen Acker – und hätte ich nicht rausgeschaut, ich hätte es nicht bemerkt. Der Komfort des Fahrwerkes ist beeindruckend. Natürlich: wir sind hier mit 3,5 Tonnen unterwegs, und die rollen noch dazu auf (wirklich) großen Rädern – aber diese Art und Weise, mit jeglichem Untergrund zurechtzukommen, läßt mich staunen.

Am anderen Ende des Ackers wartet schon die nächste Böschung. Auch hier wird überdeutlich: die Mud Dueller wollen Sand, keinen Schnee. Und natürlich hat man durch die (wie erwähnt großzügige) Dimensionierung einen deutlichen Vorteil in den üblichen Gräben. Also: Untersetzung rein, Reifendruckregelanlagenwählhebelschaltelement auf 1 bar gedreht und die Sperren rein. Der Rest geht von alleine, beim ersten Mal ohne Probleme, beim zweiten Mal zieht es den Cruiser senkrecht zum (nicht sonderlich großen) Graben. Egal.


Das Leben kann so einfach sein: Böschung anfahren…

…und hochfahren – was macht man normalerweise nur immer so viel Wind druherum???

Naja…er hebt halt das Hinterrad…

…na und…?

Böschung hoch, Runde gedreht, Böschung runter, gegenüber auf den Acker, Runde gedreht, wieder rauf auf den Weg, wieder runter auf den Acker, durch die Schneewehen, Kurve in die andere Richtung und wieder zurück – es interessiert nicht, wo gefahren wird und in welche Richtung. Es ist vollkommen gleich. Die Fahrmaschine erfüllt ihren Zweck und zieht unbeirrt ihre Bahnen. Ich bekomme das starke Verlangen, jetzt und sofort von hier bis Timbuktu in direkter Luftlinie zu fahren. Und immer wieder dieser Wendekreis: 5,6 Meter sind das. Zum Vergleich: ein HZJ78 wendet in 14 Metern, ein Hummer braucht dazu 16…

Als wir wieder Richtung Ortschaft fahren (natürlich in direkter Fallinie, über den einen oder anderen Acker), begegnet uns eine ortsübliche Spitzkehre: 300 Grad sind zu meistern, der Megacruiser macht das ein einem Zug. Ich bin platt. Ich bin ja nicht oft sprachlos, aber hier bleibt mir nur ehrfurchtvolles Schweigen. Werner Nix kennt das: er schaut mich grinsend an und weiß ganz genau, was ich gerade empfinde. Als wir wieder in den Hof einfahren, gibt er kurz Gas und schlägt das Lenkrad voll ein. Mein Körper will sich weiterhin in gerader Richtung bewegen. Werner Nix grinst wie ein sechsjähriger, der den Lehrer mit der Papierkugel direkt am Kopf getroffen hat. „Das ist immer das beste!“. Ich kann dem nix hinzufügen…

Beide Achsen voll eingeschlagen – beeindruckend

Als er neben dem J100 einparkt und in unübersichtlicher Reihenfolge irgendwie Bremse, Gas, Handbremse und Lichtschalter betätigt (und dabei gleichzeitig den Schlüssel rumdreht und das Radio ausschaltet, oder so ähnlich), drehen sich die (beeindruckend großen) Hinterräder in Nullstellung. Ich bin fassungslos. Immer noch oder schon wieder, das kann ich nicht genau definieren. Ich weiß nur, daß ich nur einen kleinen Schritt vom Schlüssen entfernt bin…und ich wäre schnell außer Reichweite: von hier querfeldein bis Novosibirsk…*seufz*…

Das Auto ist wahrlich nichts für Leute mit Platzproblemen…


Der 100er sieht daneben aus, als fiele er beim nächsten Windstoß um

Nun ja – es hilft nix. Also suche ich nach Schwachstellen in der Perfektion (immer wieder ein bewährter Strohhalm, nach dem man greifen kann). Da wäre zum Beispiel die Reifenfüllanlage: man kann zwischen 2,2 bar und 1,0 bar wählen, dazwischen gibt´s leider nix. Dann das Ventil für die Anlage: es sitzt so unverständlich platziert irgendwo am hinteren rechten Querlenker, daß es im Gelände nicht lange überleben kann. Der 130 Liter Tank könnte auch ein wenig größer sein. Und dann natürlich das stärkste Argument: 148 Stück gibt es laut Nix von dieser bereits eingestellten Serie und nur wenige außerhalb Japans. Dieser ist noch dazu nie und nimmer hier in Deutschland zulassungsfähig. Über den Kaufpreis braucht man deswegen eigentlich kein Wort zu verlieren. Aber der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß dafür etwas über 150.000 Euro fällig waren.

Ach so: die Räder. Das sind 37×12.5 auf 17,25″-Felgen (8,25″ breit).

Zum Schluß entfleucht mir ein verstohlenes Übernahmebekenntnis – aber Werner Nix scheint sich irgendwie nicht so schnell von seinem Traum trennen zu wollen…

Ich sach doch schon immer: „NIX ist unmööööööglich!“

Euer Netzmeister

Autohaus Nix
Frankfurter Straße 1-7
D-63607 Wächtersbach

Tel: 0049 60 53 / 80 3-0
Fax: 0049 60 53 / 80 3-30

www.auto-nix.de
info@auto-nix.de

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