Hilux by Nestle: Flotte Fuhre!

Die Fahrt in einem Toyota Hilux war von jeher ein eher beschauliches Vergnügen, vor allem in den Diesel-Varianten. Dereinst, als ich noch in meinem seligen LN46 unterwegs war, gab es legendäre Rennen zwischen mir auf der mittleren und LKW auf der rechten Spur, die zumeist dadurch entschieden wurden, dass der LKW halt mal kurz Gas gegeben hat. Aber nun, der Hilux ist ja auch ein Lastesel und kein Rennpferd.

Erst Ende der Neunziger gönnten die Entwickler dem Hilux größere und leistungsstärkere Diesel-Maschinen: Ab 1999 gab es für Australien den bewährten 1KZ-TE, 2001 folgte mit der neuen Modellgeneration die kleine 2,5-Liter-Version 2KD-FTV des 2000 eingeführten KD-Motors. Der „große“ 1KD-FTV mit seinen drei Litern folgte im Hilux im Jahre 2002. Aber auch das, erst einmal, nicht für den europäischen Markt. Nicht einmal, als 2005 die siebte, aktuelle, Generation die Bühne betrat.

Erst ab Produktion Oktober 2006 eröffneten sich in Europa völlig neue Welten der Fahrdynamik und der leidgeplagte Hilux-Treiber erreichte die nächste Stufe der Glückseligkeit: Mit dem KUN26 steckten nun endlich ganze drei Liter feinsten japanischen Hubraumes unter der blechernen Haube, und sage und schreibe 171 PS erforderten nun ein deutliches Umdenken in der Bedienung des Gaspedals.

Gleichzeitig eröffneten sich natürlich auch neue Möglichkeiten der Leistungssteigerung. Einer der Ersten, die sich sofort auf dieses Thema stürzten, war Patrick Nestle aus Dornstetten: Patrick und sein Team haben im Laufe der Jahre schon eine Menge sehr tauglicher Modifikationen auf den Markt und damit an, unter, auf und in den Hilux gebracht. Und die Drei-Liter-Maschine kam ihnen da gerade recht. Und natürlich beschränken sie sich da keineswegs nur auf PS-Spielereien, sondern liefern das komplette Paket geländetauglicher Veränderungen.Ganz aktuell haben die fleißigen Schwarzwälder einen Testwagen auf die Räder gestellt, der meines Erachtens nach eine der schönsten und tauglichsten Kombinationen darstellt, die man derzeit weitestgehend seriennah mit dem Hilux anstellen kann.

Fangen wir unter der Haube an: Im Original ist das 2982 ccm zählende Motörchen mit 171 PS und 343 Nm ja schon durchaus reizvoll und ausreichend ausgestattet. Da ein Zustand „zu viel Leistung“ jedoch nicht existiert, legt Nestle hier sanft Hand an und kitzelt bescheidene 205 PS und 420 Nm aus dem Direkteinspritzer. Das macht den Hilux noch lange nicht zum Dakar-Anwärter (LINK), aber er lässt sich nunr dieses Quentchen lockerer bewegen, das aus einem ohnehin angenehm motorisierten Fahrzeug ein Spaßgerät macht: Man kann es durchaus „laufen lassen“, wenn es einem danach ist. Und das ist ganz automatisch der Fall, sobald man den Leistungsgesteigerten Lux bewegt: Das Ding macht einfach Spaß, von der ersten Minute an, und er lässt sich jederzeit ausreichend souverän bewegen. Mit Ladeluftkühler würde es die Maschine sogar auf 210 PS und 480 Nm bringen, und ein LLK ist grundsätzlich motortechnisch eine sehr gute Sache. Allerdings erkauft man sich fünf zusätzliche Pferdestärken mittels 3.500 zusätzlicher Scheine, und das steht nicht wirklich in einem gesunden Verhältnis. So oder so, ein interessantes Detail aus der Steuerung: Die Mehrleistung wird erst abgegeben, wenn der Motor auf Betriebstemperatur ist. Im kalten Zustand wird mit Serienleistung gearbeitet, was nicht nur für den Besitzer an sich, sondern auch für nachfolgende Käufer von großem Interesse sein dürfte.

Beschleunigen ist eins, verzögern das andere: Um das Automobil nach hurtiger Fahrt durch Wald und Flur auch angemessen verlangsamen zu können, bietet Nestle auch eine bessere Bremsanlage an. Entweder mit der kleinen Version für die originalen 16-Zoll-Räder oder der deutlich erwachseneren Version mit 6-Kolben-Festsattel, größeren Bremsscheiben und Stahlflexleitungen (und dann auch nur für 17-Zöller) wird jederzeit ausreichende Verzögerung gewährleistet. Mehr noch: Im Fall der Fälle ist man mehr als angenehm überrascht, wie bissig die Bremsen nun zupacken – und wie angenehm feinfühlig sie dabei zu kontrollieren sind. Ich muss gestehen, dass ich vor allen anderen hier genannten Umbauten wohl die Bremsen zuerst wählen würde.

Ein weiterer, mehr als interessanter Punkt der Fahrdynamik ist die Übertragung all dieser quirligen Pferde auf den jeweiligen Untergrund. Und die ist, das sagt die Erfahrung, gerade bei unbeladenem Pick-up bisweilen eher mangelhaft. Selbst die 2,5-Liter-Maschine lässt aus dem Hilux gerade bei nasser Fahrbahn ein passables Driftgerät werden, und die leistungsgesteigerte Dreilitermaschine macht es nicht besser. Erst recht nicht, wenn nur die Hinterräder angetrieben sind. Nun sitzen wir ja schon in einem Allradler, jedoch einem zuschaltbaren. Und jenem mangelt es naturgemäß am Mitteldifferential, was seine Verwendung auf griffigem Boden nicht ratsam macht.

Die Lösung des Problems: Permanenter Allradantrieb. Und sowas ist ja auch ganz simpel zu realisieren, man muss ja nur den Antriebsstrang vom Land Cruiser…nun, in der Tat: Nestle macht sowas. Und so war auch dieser schwarze Hilux mit permanentem Allradantrieb ausgestattet. Inkl. separat schaltbarer Mitteldifferential-Sperre, denn auch die sonst übliche Zwangssperre ist für den automobilen Laien zwar sinnvoll, für den versierten Fahrer jedoch hier und da ärgerlich. Mit der Nestle-Lösung kann man nun ganz locker-entspannt in der Untersetzung rangieren, ohne Verspannungen im Antriebsstrang fürchten zu müssen. In Kombination ist das eine mehr als feine Sache: Auf nasser oder verschneiter Straße und auf losem Untergrund ist der permanente Allradantrieb einfach Gold wert, bietet er doch Traktion satt.

Doch halt, Moment: Traktion hat die Fuhre natürlich nur, wenn auch alle Räder auf dem Boden sind. Und da spielt das Fahrwerk eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Wie praktisch, dass Nestle auch hierfür eine Lösung hat: Ein höhenverstellbares Gewindefahrwerk bietet variable Fahrdynamik in jeder Lebenslage. Zu neuen Blattfedern hinten gibt es verstellbare Dämpfer mit Zusatzfeder und zusätzlichem Reservoir. Das bedeutet eine Höherlegung um satte 50 mm, Zug- und Druckstufe der Dämpfer sind selbstverständlich achsweise vom Fahrersitz aus elektrisch verstellbar. Und das passiert auch blitzschnell: Hat man die Einstellungen erst einmal ausprobiert und weiß sie zielgerecht einzuschalten, hat man den Pritschenwagen jederzeit locker im Griff. Ob beladen oder unbeladen, ob schnell gefahrene Asphalt-Kurven oder loser Untergrund – durch die Verstellung wird der Hilux tatsächlich in jedem Fahrzustand Herr der Lage.

Zusammenfassend hat das Nestle-Team hier ein Fahrzeug präsentiert, das bei maximal unaufdringlich-cooler Erscheinung (das einzig auffallende sind die größeren Räder) eine wahrlich ausgewogene, sinnvolle und im Zusammenspiel sehr souveräne Kombination darstellt. Die Leistungssteigerung ist ausreichend bullig und doch nicht übertrieben, die Bremsen beißen wie ein T-Rex, Fahrwerk und permanenter Allradantrieb machen das Fahrzeug jederzeit beherrschbar und Höherlegung, Räder und der dreiteilige Unterfahrschutz gewährleisten nicht nur genügend Luft unter der Kiste, sondern auch Schutz bei zufälliger Grundberührung.

Das alles hat natürlich seinen Preis: Deutlich über 14 tsd. Euro kosten Antrieb, Fahrwerk, Bremsanlage, Tuning zusammen in der hier getesteten Konfiguration, wobei das Fahrwerk mit knappen 5 tsd. Euro am heftigsten zu Buche schlägt. Die Preisspanne bei den verschiedenen Fahrwerksversionen fängt allerdings schon bei 1,4 Euro an, insgesamt gibt es 5 verschiedene Pakete bis hin zum Top-Paket. Die Leistungssteigerung ist mit ca. 1 tsd. Euro vergleichsweise günstig (Mit Ladeluftkühler liegt sie allerdings schon bei 4,5 tsd. Euro), die dazu durchaus empfehlenswerte Bremsanlage kostet nochmal das Dreifache. Der umbau auf permanenten Allradantrieb mit 100% sperrbarem Mitteldifferential und Untersetzung kommt auf 3,5 tsd. Euro, die unabhängige Schaltbarkeit der Mitteldifferenzial-Sperre und der Untersetzung kostet nochmal 1,2 tsd. Euro. Kein Schnäppchen, fürwahr. Jedoch: Wer das alles investiert, hat für knapp über 50 tsd. Euro ein absolut überlegenes Fahrzeug, das jederzeit und in jeder Fahrsituation Spaß macht und Sicherheit vermittelt.

Kontakt:

Autohaus Nestle GmbH
Gottlieb-Daimler-Straße 5
D-72280 Dornstetten
Telefon 07443 9677-0
Telefax 07443 9677-22
e-Mail info@toyota-nestle.de
http://www.toyota-nestle.de/

 

Diskussion: http://forum.buschtaxi.org/hilux-by-nestle-flotte-fuhre-t40434.html

 

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