Kommentar aus USA: Warum Dieselmotoren wichtig bleiben

Der amerikanische Journalist, Kolumnist und Rundfunk-Moderator Jerry Reynolds arbeitet seit 35 Jahren mit der Automobilindustrie und sendet jedes Wochenende ein eigenes Rundfunkprogramm mit Testberichten, Ratgeber-Themen und Analysen zum Thema Auto, das in allen 50 Bundesstaaten der USA zu hören ist. Bei Talk-Shows im Fernsehen ist der Texaner aufgrund seiner Fachkenntnis ein gern gesehen Gast. Jetzt veröffentlichte er angesichts des Dieseldesasters von VW in den USA diesen Kommentar aus amerikanischer Sicht, den wir mit seinem Einverständnis für Sie ins Deutsche übersetzt haben (ampnet/hrr):

In der Autoindustrie wird viel darüber spekuliert, dass die Amerikaner wegen des Volkswagen-Diesel-Skandals zukünftig auf Dieselmotoren verzichten wollen. Ich bin da ganz anderer Ansicht. Es hat zehn Jahre gedauert, bis sich Amerika mit dem Diesel angefreundet hat. Sobald der Rauch verzogen ist, wird der Betrug vergessen sein und Volkswagen wieder zur Normalität zurückkehren. Die amerikanische Öffentlichkeit hat ein sehr kurzes Gedächtnis.

Das Chaos, das VW angerichtet hat, wird jedem Automobilhersteller eine heilsame Lehre sein: Betrug lohnt sich nicht. Dieselmotoren müssen wirklich sauber und sparsam sein, damit die Kunden sie akzeptieren. In den kommenden Jahren werden wir mehr Auswahlmöglichkeiten an Diesel-Pkws, Lkw und SUV mit Dieselantrieb haben als je zuvor. General Motors, Nissan, Jeep, Porsche, Range Rover, Mercedes und andere werden mit Neuheiten aufwarten, nicht zuletzt auch VW und Audi.

Seit mehr als zehn Jahren habe ich Fahrzeuge mit Dieselmotoren empfohlen, hunderte Male auch den VW TDI besonders für Leute, die viel fahren. Ich behaupte immer noch, dass dieses Auto aufgrund seines Motors für viele Menschen perfekt ist und bleibe dabei, dass die TDI-Maschine von Volkswagen 300 000 Meilen oder noch länger hält.

Diesel-Aggregate von heute laufen leise, sie stinken längst nicht mehr so wie früher und verfügen über ein beeindruckendes Drehmoment. Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren einen Diesel gekauft haben, machen das gewöhnlich wieder, weil sie diese Art der Motorisierung zu schätzen gelernt haben. In den vergangenen drei Jahren sind jährlich über 125 000 Dieselautos und SUV mit Dieselmotor in den Vereinigten Staaten verkauft worden. 2014 stammten 67 Prozent dieser Autos entweder von Volkswagen oder Audi, weshalb Volkswagen schnell und kompromisslos handeln muss, um diese Kunden wieder zufrieden zu stellen.

Man kann garantiert davon ausgehen, dass die Enviromental Protection Agency (EPA = Amerikanische Umweltschutzbehörde) sich jetzt verstärkt um die Diesel-Emissionsprüfung kümmern und sicherstellen wird, dass „Clean Diesel“ in der Tat seinem Namen gerecht und sauber wird. Die Autohersteller werden gleichzeitig äußerst sensibel darauf achten, diese Prüfung zu bestehen und den Kraftstoffverbrauch so zu gestalten, dass er den Angaben auf den Fensteraufklebern entspricht.

Ebenso wie viele andere fühle auch ich mich von VW hinters Licht geführt. Ich habe bisher noch nie erlebt, dass ein Automobilunternehmen Kunden und Regierung derart täuscht. Ich sehe allerdings auch keinen Grund, auf den Dieselmotor als Ganzes, auch den von Volkswagen, zu verzichten. Diese Art von Maschinen bringen einfach zu viele Vorteile mit sich.

Mit Blick nach vorne wage ich die Prognose, dass VW zukünftig vor allem für die derzeitigen Besitzer von VW-Dieselfahrzeugen sehr günstige Angebote machen wird, sobald sich die Krise gelegt hat. Denn VW muss sich etwas Besonderes einfallen lassen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu zurückzugewinnen.

Ich werde meinen Zuhörern und Lesern auch weiterhin Dieselfahrzeuge aller Marken empfehlen und sie ermutigen, nicht auf diese Art der Motorisierung zu verzichten. Wenn dieser ganze VW-Schlamassel etwas Gutes hat, dann ist es das, dass wir demnächst noch bessere Dieselmotoren bekommen werden als bisher.

Ich fühle mich von Volkswagen betrogen. Aber ich bewundere nach wie vor seine Autos und seine Händlerschaft. (ampnet)

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