Land Cruiser 70: Relaunch 2007

Als im Frühjahr 2006 die ersten Gerüchte aufkamen, konnten es die meisten nicht richtig glauben. Der J7 wird überarbeitet? Die meisten stellten sich vor allem eine grundlegende Frage: „Warum?“ Denn immerhin liegt eine deutliche Überarbeitung ja erst ein paar Jahre zurück – inklusive des Umstiegs auf Schraubenfedern an der Vorderachse, eine massive Veränderung des bisherigen Konzeptes.

Daß irgendwann ein Facelift und auch einige andere Änderungen kommen würden, war eigentlich klar. Der J7 Heavy Duty ist zwar ein Relikt (und im Light Duty-Bereich gibt es mittlerweile ja mit dem J12 schon den zweiten Nachfolger), aber ein äußerst taugliches. Entwickelt und produziert für den weltweiten (Arbeits-)Einsatz in allen Geländearten ist er mithin die idealste Entsprechung des Anforderungsprofils und bietet darüber hinaus in all seinen Varianten eine außerordentliche Flexibilität. Aber auch ein Arbeitstier muß dann und wann leicht überarbeitet werden, um den Ansprüchen an Technik und Design gerecht zu werden. Für Australien, einen der größten Absatzmärkte, lauteten zwei dieser Ansprüche: „Mehr Power“ und „Einhaltung strengerer Abgasrichtlinien“. Und diese beiden Forderungen haben noch ganz andere Änderungen nach sich gezogen…

Nun ist er also da – der „neue“ J7. Aber natürlich leider nicht gerade „um die Ecke“, denn bekanntermaßen wird der J7 nicht offiziell auf dem europäischen Markt angeboten. Derzeit gibt es ihn nur auf einem winzigen Fleckchen an der Südspitze Europas: Bei der „TGS“, der Toyota Gibraltar Stockholdings, dem zentralen Distributor für Hilfsorganisationen, die auf dem afrikanischen Kontinent operieren. Also habe ich meine Koffer gepackt und mich auf den Weg gemacht – und ich habe Euch alles mitgebracht, was man über den neuen wissen muß.

Eins vorweg: So neu ist der neue eigentlich nicht…es hat sich vergleichsweise wenig verändert, auch wenn sich die wenigen Änderungen optisch massiv auswirken.

Die auffälligste Neuerung ist auf den ersten Blick das deutliche Facelift. Der bullige Kühlergrill, die herumgezogenen und spitz zulaufenden Blinker, die Hauptscheinwerfer, die leicht nach oben laufende untere Linie der Scheinwerfer, die Kunststoff-Stoßfänger…das alles ist neu und doch wieder bekannt, denn es ist vor allem eine recht konsequente Adaption des aktuellen Toyota-Designs. Am schmerzvollsten ist für die Fans des alten HD sicherlich der Wegfall der markanten Kotflügel, was dem größeren Platzbedarf im Motorraum geschuldet ist. Dazu aber gleich noch mehr. Der Rest der Linienführung (und auch die Maße) ab der A-Säule ist gleich geblieben und nach wie vor ist der J7 ein J7.

Alte und neue Front im direkten Vergleich

Ein paar 78er gefällig?

Der Wegfall der Kotflügel ist (so lächerlich das jetzt klingen mag) in der Tat schade, haben die beiden fast antiken Anhängsel doch das Aussehen des HeavyDuty maßgeblich bestimmt. Der Grund dafür ist allerdings eine gute Nachricht: Die Motorenpalette wird um ein sehr erfreuliches Exemplar bereichert, das schlicht und ergreifend mehr Platz braucht. Auf dem australischen Markt war ja seit langem schon eine Turbo-Variante erhältlich: Der HDJ7x war mit dem aus dem J10 bekannten 1HD-FTE bestückt und trieb uns in Europa seit jeher die Tränen in die Augen. Nun wird die Turobovariante sogar noch deutlich aufgewertet: In Zukunft gibt es neben dem bekannten 1HZ und dem Benziner 1FZ-FE auch einen V8-Turbodiesel mit 4,5 Litern. Und da der einfach mehr Platz braucht, muß das ganze ein wenig wachsen.

Die Kotflügel fallen also weg – und dazu wächst der ganze Vorderbau noch um 80 mm. Zusammen ergibt das ein Wachstum des Motorraumes um respektable 300 mm (!), womit das Platzproblem gelöst wäre. Der Schnorchel wurde ebenfalls entsprechend angepaßt.

Allerdings ergibt das auch eine recht kuriose Konstellation: Der Vorderbau ist nun deutlich breiter als der Rest des Fahrzeugs. Von vorne fällt das nicht sonderlich auf, wenn man sich den 7er von hinten anschaut, macht er aber schon deutlich „dicke Backen“. Aber damit nicht genug: Wenn der Vorderbau schon wächst, dann wächst die Vorderachse auch gleich mit…die bekannte Achse ist im Grunde genommen immer noch die gleiche, nur eben ein wenig breiter. Was natürlich – und jetzt wird´s lustig – mit dem unveränderten Rest des Cruisers den Effekt nach sich zieht, da die vordere Spur nun breiter ist als die hintere…und zwar um ganze 95 mm! Während er hinten mit bewährten 1420 mm Spurweite läuft, sind es vorne 1515 mm. Im Sand ist das sicherlich kein Nachteil, in anderen Bereichen mag es aber teilweise durchaus stören – auf jeden Fall wirkt es ungewohnt, wenn man mal näher hinschaut.

Für mich völlig unverständlich ist der Ersatz der vorderen Stoßstange: Statt massivem Stahl prangt dort nun das mittlerweile übliche Kunststoffteil (aus „TSOP“, dem „Toyota Super Olefin Polymer“). Sicherlich: Das ist deutlich leichter als der alte Stahlklumpen und auch recyclingfähig. Aber es altert auch ab dem ersten gemütlichen Einsatz deutlich und wirkt vermutlich recht schnell recht unansehnlich. Immerhin ist nun auch noch ein Platz für Nebelscheinwerfer vorgesehen, der aber naturgemäß im Gelände noch vor allen anderen Bereichen leidet. Da die Stoßstange nun auch deutlich größer wurde, ist eine Rückrüstung der alten Version nicht ohne weiteres möglich – die Rahmenenden sind zwar nach wie vor genau da, wo sie hingehören (Befestigung wäre also möglich), allerdings muß dann ein recht großer Bereich des Kühlers separat abgedeckt werden.

Die hintere Stostange ist übrigens die alte geblieben…mit den gleichen unnötigen Kunststoffecken, die sich bei der ersten Grundberührung so wunderbar nach oben biegen.

Die Motorisierungen

1HZ: Der bekannte 4,2 l Saugdiesel
Der 1HZ wird weiter im J7 verbaut, mit seinen 130 PS und den 285 Nm. Allerdings wird es auch weiterhin keine offizielle Anpassung an höhere Schadstoffeinstufungen geben. Die einzige Hoffnung bleibt, daß es den grauen Importeuren tatsächlich gelingt, den Sauger mit vertretbarem Aufwand auf Euro IV zu bringen.

1VD-FTV: Der neue 4.5 l V8 Turbodiesel D4D mit Euro IV
Dieses Maschinchen ist ein wahrer Hammer: Neben D4D und der definitiven Euro IV-Einstufung sind es vor allem die 8 Zylinder, die für eine kleine Sensation sorgen. Aus den wahrlich männlichen 4,5 Litern Hubraum holt dieses bullige Stück Metall mit Commonrail-Technik etwa 205 PS und 430 Nm…das zaubert ein unvergängliches Lächeln ins Gesicht des Fahrers. Allerdings nur bei australischen Fahrern (also als Rechtslenker!), dieses Sahnestück wird allen anderen Märkten nämlich leider vorenthalten. In Australien ersetzt der V8 alle drei bisher erhältlichen Motoren (1HZ, 1FZ-FE und 1HD-FTE), das zeigt die Ausrichtung recht deutlich.
Und: Für den V8 gab es auch gleich eine neue, verstärkte Kupplung (Einscheiben-Trockenkupplung, wie gehabt). Und das Ventilspiel muß dank hydraulischer Helferlein auch nicht mehr eingestellt werden.

1FZ-FE: Der bekannte 4,5 l Benziner EFI mit lustigen 224 PS
Der viereinhalb Liter-Benziner ist bekannt und wird unverändert übernommen – darüber muß man auch nicht mehr sonderlich viel Worte verlieren…

Ein LLK wird wohl auch den V8-Diesel zieren…

Als Getriebe gibt es nach wie vor nur die 5-Gang Handschaltung (mit den 3 verschiedenen Getrieben H150F, H151F und R151F), die PTO (Power Take-Off, der Nebenabtrieb) wurde leider abgeschafft. Kurz zur Erläuterung: Das H151F ist das verstärkte Getriebe, das zuvor schon in den Versionen mit dem Turbodiesel 1HD-FTE verwendet wurde. Man muß sich also keine Gedanken machen, ob man die V8-Power überhaupt auf die Straße bekommt…

Das Getriebe-Line-Up sieht also ab sofort folgendermaßen aus:
– Versionen mit 1HZ (R6 Saugdiesel) bekommen R151F
– Versionen mit 1VD-FTV (V8 Turbodiesel) bekommen H150F
– Versionen mit 1FZ-FE (R6 Benziner) bekommen H151F

Zwei überraschende technische Änderungen haben sich die Toyota-Ingenieure in ihrer unendlichen Weisheit dann aber doch einfallen lassen: Erstens gibt es für Kupplung und Bremse nur noch einen Kreislauf und somit auch nur noch ein Reservoir für die Hydraulik (noch dazu mit einem unverständlich tief platzierten Anschluß für die Kupplung), und zweitens ist man auf die Idee gekommen, daß es statt der bisherigen zwei Kraftstofffilter doch auch einer tun würde, der dann eben einen feineren Filter bekommt.

Beide Änderungen sind aus meiner Sicht (interessanterweise auch aus Sicht der Techniker bei der TGS) nicht nachvollziehbar, aber glücklicherweise auch umkehrbar. Ein zweiter Spritfilter wäre zumindest in meinen Augen die erste Investition…

Schlau gelöst: Wenn im Kupplungssystem Flüssigkeit flöten geht, ist die Bremse auch außer Betrieb…ein wenig mehr Redundanz würde da nicht schaden.

Die Karosserievarianten:

Die Karosserievarianten sind hinlänglich bekannt und keine Überraschung:

Land Cruiser Hard Top 2-Door (HZJ78)

Land Cruiser Hard Top 4-Door (HZJ76)

Land Cruiser Pick Up (HZJ79)

Land Cruiser SWB (Short Wheel Base) Steel Roof (HZJ71)

Der HZJ74 (also der mittlere Radstand mit Kunststoff-Hardtop) wird nicht weiter produziert.

Die Farbauswahl

Auch ein paar neue Farben hat der 7er spendiert bekommen: Neben den bekannten Farben weiß, beige und blau kamen 4 weitere hinzu. Allerdings fielen auch einige durchs Raster: gelb, grün, rot wird es nicht weiterhin geben.

Die aktuelle Farbpalette:
– 058 White
– 1F7 Silver Metallic
– 1G3 Gray Metallic
– 3Q3 Dark Red Mica Metallic
– 4R3 Beige Mica Metallic
– 4E9 Beige
– 8H6 Blue

Eine kleine Sensation: Der HZJ76 (also die viertürige Version) wird nun endlich auch als Linkslenker erhältlich sein. Seit jeher ist das eine der schönsten und praktikabelsten Versionen – und obendrauf harmoniert die neue Front ganz wunderbar mit dem „Middle Wheel Base“ und dem runden Heck.

Mein Favorit: Nicht nur ein äußerst praktischer, sondern auch ein überaus ansehnlicher Cruiser…

Der 76er vereint mit den zusätzlichen Türen, der Rückbank, der weicheren hinteren Federung (eine Lage weniger als im 78er) und dem kürzeren Fahrgestell viele Vorteile – hat jedoch auch den Nachteil, daß serienmäßig kein Doppeltanksystem drunter paßt. Er wird also ab Werk nur mit 90 Litern Fassungsvermögen ausgeliefert.

Ein Blick von unten verrät: Für einen zweiten Tank ist nicht sonderlich viel Platz…allerdings dürften statt der serienmäßigen 90 Liter im Austausch auch gut und gerne 130 möglich sein, eine Lösung ist also in Sicht.

Der Innenraum hat sich so gut wie nicht verändert, alles ist am gewohnten Platz

Hier noch die australische Version mit mehr Zierrat…

…nochmal ohne Bügel…

…und die südafrikanische Version des Viertürers – ebenfalls mit viel Chrom und den Kotflügelverbreiterungen

Noch eine kleine Anmerkung zur „Verfügbarkeit“: Wie erwähnt wird auch der neue J7 wird nicht offiziell (also über Toyota) in Europa erhältlich sein. Spätestens im April werden jedoch die ersten Fahrzeuge vermutlich über die üblichen freien Importeure erhältlich sein. Da der V8-Turbodiesel nur für den australischen Markt produziert wird, ist ein Import nach Europa mehr als unwahrscheinlich. Beim 1HZ (dem 4,2 l Saugdiesel) ist der Knackpunkt die erreichte Schadstoffnorm: Ob Euro IV mit diesem (rein mechanischen) Motor machbar ist, werden wir hoffentlich in Kürze erfahren!

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