Land Cruiser HJ60: Kupplungswechsel unterwegs

Text und Fotos: Immanuel Leifer

Kupplungswechsel Toyota Landcruiser j6

Hier versuche ich, zu beschreiben, wie man als absoluter Laie, mit fast keinem speziellen Werkzeug, einen Kupplungswechsel durchführen kann.

Für jeden, der seinen Toyota im Sinne seiner Bestimmung nutzt (also z.B. eine Saharareise in etwas abgelegene Gebiete mit schwierigen und längeren Sandpassagen), kann es durchaus von existentieller Bedeutung sein daß er seine Kupplung ohne Spezialwerkzeug wechseln kann.

Also auf jeden Fall eine Kupplung mitnehmen, oder aber folgende Arbeit vor dem Reiseantritt durchführen (habe ich bis jetzt bei jedem meiner Toyotas vorher gemacht und dafür nie unterwegs!).

Auf den ersten Blick könnte man denken: „oh Gott nein danke sind ja immerhin 200 kg“.

Und wenn das Auto unten herum schon etwas rostig ist, wird’s auch nicht gerade lustig.

Das kann ich aus Erfahrung schreiben; dann wird man die eine oder andere Schraube noch abflexen müssen, ist aber immer noch besser als das Getriebe nach oben durch die Fahrgastzelle herauszunehmen, wie ich es mal in Mauretanien in einem alten Serie II Landrover gemacht habe (geht leider auch nicht beim Toyota, da hilft vielleicht, nur noch zu Fuß weiterreisen).

Hier noch ein Hinweis für Drehmomentfreaks: eigentlich ist für keine der Schraubverbindungen ein definiertes  Anzugsdrehmoment essentiell, d.h. es geht auch nach Gefühl, von dem man dann auch etwas haben sollte.

Besser ist es in jedem Fall mit dem richtigen Drehmoment.

1. Abschrauben der Schalthebel-Knaufe und der Schaltheben, Abschrauben der Gummikappen an den Schalthebeln, Abnehmen des Schalthebels durch kräftiges Reindrücken dieses und leicht gegen den  Uhrzeigersinn drehen danach kann man ihn herausnehmen.

2. Abschrauben aller Unterfahrschutzplatten

3. Abschrauben der hinteren Antriebswelle an der Getriebeseite, hier kann es etwas eng werden dazu muss die Steckachse etwas mit Dauer-Druck zusammengepresst werden

frisch gestrichene Antriebswelle
herabgelassenes Getriebe,
wieder Einschlagen der Gelenkwellenendkappe mit einem Schraubendreher

Bei der Gelegenheit sollte man die Welle gleich kontrollieren ob die Kreuzgelenke und die Welle noch in Ordnung ist.

Wenn die Kreuzgelenke klemmen, erst einmal abschmieren. Wenn das nicht hilft reicht es manchmal, ein paar kräftige Hammerschläge auf die Einfassungen der Gelenke, kreuzweise auf jede Fassung einmal, damit kann man sie manchmal etwas lockern.

Wenn das nicht hilft, wechseln.

Hierzu die Sprengringe an den Innenseiten abnehmen und die Gelenke herauspressen, eine herkömmliche Abziehvorrichtung genügt, sitzen aber meist sehr fest.

Ansonsten kann man sie auch herausschlagen.

Wenn alles nicht hilft in eine Werkstatt gehen die machen das in 10 Minuten für … Verhandlungssache.

Ebenfalls sind die Endkappen der Wellen oft aufgedrückt, so daß man sie nicht richtig abschmieren kann und das Fett dort herausgepresst wird.
Hierzu einfach die Kappen wieder einschlage z.B. mit einem Schraubendreher (rechtes Bild 3)

4. Abschrauben aller Verbindungsschrauben vom Getriebe zum Motorgehäuse.

Hierzu ist etwas Übung nötig und man braucht zumindest eine Gelenkwelle für die Knarre sowie mehrere Verlängerungen.
Die oberen Schrauben lassen sich am einfachsten ganz von hinten abschrauben, dazu benötigt man etwa 1m Verlängerung.

Abschrauben der oberen Getriebeschrauben
Die ca. 1m Verlängerung

5. Lösen aller sonstigen Verbindungen zum Fahrzeug
(Luftdruckschläuche, Tachowelle, alle elektrischen Steckverbindungen vom Getriebe), Abschrauben des Anlassers und des Kupplungszylinders

6. Lösen der Schrauben des Getriebequerträgers
(hier gibt’s bei älteren Modellen schon mal Probleme mit verrosteten Schrauben, statt ewig rumzumachen, einfach die angeschweißten Muttern von der Querträgerhalterung abflexen, dann fallen die Schrauben nach einem Meißelschlag heraus und man nimmt nachher einfach neue Muttern mit Schrauben).

Langsames kontrolliertes Herablassen des Getriebes, Auflegen des Getriebes auf einen Träger (Gerüstbohle, Sandblech etc. die Höhe der Sandblech kann man einfach durch Unterlegen der Ersatzräder an jeder Seite und entsprechenden Holzstückchen oder Bücher etc. regulieren)
Der Motor senkt sich ebenfalls etwas, also nicht gleich erschrecken, das ist normal!!!!


Getriebe wird auf einer Gerüstbohle gelagert zum Ausbau der Kupplung

Je nach konstruierter Vorrichtung zurückziehen des Getriebes mit samt Vorrichtung, oder vorschieben des Autos, ohne das Getriebe dabei zu bewegen.

Mit etwas hin- und herbewegen der Bohle mit dem darauf liegendem Getriebe, bekommt man dieses aus dem Pilotlager und aus der Kupplung gezogen.

Wichtig: Will man das Getriebe überholen wird es etwas komplizierter, dazu muss man vorher berücksichtigen das man es unter dem Auto hervorbekommt, d.h. das Auto muss u .U. erhöht werden, z.B. mit einer Hebebühne, Auffahrhilfen, oder man braucht eine Grube in die man das Getriebe ablassen kann und danach schiebt man das Auto zurück und kann das Getriebe herausheben.

Und noch ein Tipp für unterwegs:
Ist man irgendwo am A…. der Welt lässt es sich deutlich leichter arbeiten wenn man einfach mal das Auto an der Vorderachse mit Steinen etc. erhöht, man hat viel Platz es ist deutlich gemütlicher und das Getriebe rutscht irgendwann wie von selbst heraus.

Bis hierhin noch ganz lustig, aber wie kommt es wieder rein?
Das wird dann deutlich schwieriger und man sollte mindestens zu dritt (männlich) sein um das wieder hinzubekommen.
Also meine Erfahrung ist: so eben wie möglich!

Möchte man nur die Kupplung wechseln, kann man das Getriebe unter dem Auto lassen.

7. Abschrauben der Kupplung
Markierung der Anschraubposition des Kupplungsgehäuses mit der Kurbelwelle bzw. dem Schwungrad da dieses meist austariert ist und es beim anschrauben in einer anderen Position zu Unwucht der Kurbelwelle kommen kann !

8. Abziehen des Pilotlagers
Dieses sollte man bei jedem Kupplungswechsel mit erneuern, oder zumindest kontrollieren (kostet ca. 10 Euro).

Das Herausbekommen ist etwas schwierig, entweder man besitzt eine Spezialabziehvorrichtung, oder man behilft sich mit einem Betondübel entsprechenden Durchmessers.

Hierzu braucht man noch eine zusätzliche Brücke und zwei 10er Schrauben die man zum Abziehen benutzt. (s. Photo)

Ob der Trick mit dem Fetteinpressen und dem Einschlagen eines exakt in die Bohrung des Pilotlager passenden Stabes funktioniert weiß ich nicht (und bezweifle ich).

Ausbau des Pilotlagers mittels improvisierter Abziehvorrichtung aus einem Betondübel

Theoretisch müsste man das Lager auch einfach durch das Einschrauben des Dübels herausdrücken können, das funktionierte aber nicht.

Wenn man wie im unteren Bild eine Unterlegscheibe über die Dübelhülsen setzt und die beiden seitlichen Schrauben zum Herausdrehen anfangs weglässt, kann man den Dübel durch einfaches schlagen mittels Hammers auf die Brücke derart spreizen, das er fest im Lager sitzt.

Anschließend die seitlichen Schrauben einschrauben und wechselseitig fester ziehen, dann sollte sich das Lager lösen (tat es bei mir jedenfalls).

9. Das neue Pilotlager einfetten und  mit einem stumpfen Gegenstand (z.B. einem Stück Holz oder mit Gummihammer oder ähnliches) vorsichtig einschlagen

10. Die Kupplungsscheibe und die Ausrückplatte anschrauben.
Vor dem Festziehen der Anpressscheibe, die Kupplung mit einem Zentrierdorn, oder einer alten Welle oder ähnlichen mittig fixieren, es geht auch per Augenmaß kann aber bei Ungenauigkeit zu Problemen beim Einsetzen des Getriebes kommen.

Laut einiger Herstellern soll man die Kupplungsscheiben und die Laufflächen der Kupplung (an der Schwungscheibe und der Druckplatte von Fett reinigen z.B. mit Aceton, aber Vorsicht: nur ganz wenig auf die Kupplungsscheibe oder diese nicht reinigen, damit sie nicht zerstört wird).

Die Lauffläche (Schwungscheibe und der Druckplatte) auf Riefen untersuchen und eventuell erneuern. Hände weg von Billiganbietern, ich musste schon eine komplett neu eingebaute Kupplung nach kurzer Zeit wieder ausbauen weil die Anpresskraft der Druckplatte zu gering war (HJ61 mit Ladeluftkühlung) und habe wieder die alte Druckplatte eingebaut!!!!
Garantie gibt’s eh nicht wenn man selber bastelt!

11. Kupplungsgestänge entnehmen und das Ausrücklager wechseln.
Das kann man sehr einfach von der Hülse abziehen, mit einer herkömmlichen Abziehvorrichtung.
Hierzu einfach eine Metallscheibe in das Lager legen und anschließend das Lager abziehen, oder das Lager in einen Schraubstock spannen und das Gestänge langsam herausschlagen.
Anschließend neues Lager einpressen.

12 Nachdem man nun alle Innereien wieder ordnungsgemäß eingebaut hat, langsames Anheben des Getriebes auf entsprechende Höhe und entweder bewegen des Getriebes oder des Fahrzeuges zum Verbinden des Getriebes mit dem Motor ( das habe ich auch mehrfach alleine ohne besonderer Vorrichtung geschafft. Sollte man auch können falls man mal in der Tennere die Kupplung wechseln muss!!!!)

Festschrauben aller Schrauben und komplettes Anheben des Getriebes, nachdem es an den Motor geschraubt wurde.
Um die Querträger anzuschrauben muss man den Motor etwas mit anheben, hierzu einfach einen Wagenheber unter das Getriebe (Querträger) setzen und dieses damit hochdrücken (ein Holzstück unterlegen damit  nichts beschädigt wird).

13. Ölstand kontrollieren bzw. wechseln, alle Verbindungen wieder herstellen, Antriebswelle wieder einbauen und anschließend abschmieren, und zum Schluss die Schalthebel wieder einbauen, darauf achten das die Gummis der Schaltheben dicht sind sonst gibt es ungewohnt lautere Geräusche vom Getriebe.

Hoffentlich geht es jetzt. Wenn nicht, doch zum nächsten Händler.
Jedenfalls sind wir um einige Erfahrungen reicher und einige Euro ärmer, ich übernehme keinerlei Haftung für jegliche Schäden oder sonstiges infolge des Einbaues nach dieser Anleitung.
Weitere Tipps zur Wartung und Reparatur findet ihr auf meiner Seite unter www.ImLeif.de

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