Michelin: „Hört auf, Eure Reifen so oft zu wechseln!“

1,6 Millimeter Mindestprofiltiefe ist die derzeitige gesetzliche Vorschrift in Deutschland, in anderen europäischen Ländern schaut es ähnlich aus. Und wer ein wenig technischen Sachverstand und Erfahrung hat, hält das auch für angemessen. Nicht so der eine oder andere Branchenverband sowie, wenig verwunderlich, auch die Reifenhersteller: Continental z.B. empfiehlt „mindestens 3 mm Profiltiefe“, andere geben gleichlautende Empfehlungen heraus.

Gut, wir Geländewagenfahrer sehen das alles ein wenig entspannter: Ein BFG Mud Terrain kommt im Auslieferungszustand mit 18 Millimetern daher, und alles unter 8 Millimetern rückt gedanklich gefährlich nahe an Slicks. Wir machen uns ungern die Karkasse nass, wo andere schon bis übers Felgenbett in der Pfütze stehen.

Aber zurück zum gemeinen PKW-Reifen: Der Bundesrat diskutiert derzeit, die geltenden Vorschriften für die Mindestprofiltiefe zu verschärfen. Demnach sollen Winterreifen künftig mindestens drei Millimeter Profil aufweisen. Der ADAC greift das auf, eiert allerdings ein wenig herum: „Viele Autofahrer folgen unserer Empfehlung und tauschen bereits heute ihre abgefahrenen Winterreifen ab einer Profiltiefe von vier Millimetern gegen neue Modelle – obwohl eine gesetzliche Umtauschpflicht erst ab 1,6 Millimetern besteht. Das zeugt vom Verantwortungsbewusstsein der Besitzer. Eine Neuregelung der jetzigen Verordnung ist aus unserer Sicht deshalb nicht erforderlich und würde nur die Autohaltung verteuern“, sagt Thomas Burkhardt, ADAC Vizepräsident für Technik. Gleichzeitig heißt der „generelle Ratschlag“ weiterhin: „Reifen nicht bis auf die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter abfahren – Sommerreifen bei drei Millimetern Profiltiefe erneuern – Winterreifen bereits bei vier Millimeter Restprofiltiefe erneuern“.

Michelin (zu denen ja auch BF Goodrich gehört) formuliert das knackiger:1,5 Millimeter oder sogar weniger böten bei moderner Reifentechnik immer noch ein hohes Niveau an Leistung und Grip und eine solch radikale Neuregelung brächte bezüglich der Fahrsicherheit nur wenig, bürdet den Autofahrern aber zusätzliche Kosten auf und erhöht zudem die CO2-Emissionen. Und sie rechnen das sogar durch: Sollten die 3 Millimeter Gesetz werden, kämen auf die Autofahrer 6,9 Milliarden Euro zusätzliche Kosten alleine für den eigentlich unnötigen Reifenkauf zu. Umwelttechnisch sei das fatal: Die Produktion von 128 Millionen zusätzlichen Reifen jährlich ergibt satte 9 Millionen Tonnen CO2, die unnötigerweise in die Atmosphäre geblasen werden. Und es gäbe, so Michelin, keine Studie, die eine direkte Verbindung zwischen Unfallzahlen und Profiltiefe nachweisen könne. Im Gegenteil dazu würden leicht abgefahrene Reifen bei trockener Straße sogar den Rollwiderstand senken und somit Kraftstoff sparen sowie niedrigere Geräuschlevel und – aufgemerkt! – kürzere Bremswege erzielen.

Das ist eine erstaunliche Aussage für einen Reifenhersteller.

Allerdings lehnt sich Michelin nicht ganz ohne Grund so weit aus dem Fenster: Sollten zum Beispiel im Zuge dieser Diskussion Tests für Reifen mit Profiltiefen von 1,6 mm vorgeschrieben werden, so käme unterm Strich sicher dabei heraus, dass Premiumhersteller qualitativ die Nase weit vorne haben. Und das schlägt natürlich auch auf die Kaufentscheidung neuer Reifen durch: Das im Hinterkopf, entscheidet man sich eher für die teureren Reifen statt für die billigen runderneuerten vom no-name-Hersteller.

Aber ganz ehrlich: Wer den lebenswichtigen Kontakt zwischen Straße und Fahrzeug vom billigsten Schund erledigen lässt, der sollte ohnehin mal über das Thema „Sicherheit“ nachdenken.

 

P.S.: „Hört auf, Eure Reifen so oft zu wechseln!“…das hat Michelin SO natürlich nicht gesagt. Aber unterm Strich ist es schon die Aussage des ganzen. 😉

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