Paris verbannt 20 Jahre alte Autos aus der Innenstadt

Anne Hidalgo, Bürgermeisterin von Paris, hat ein eher gespaltenes Verhältnis zur automobilen Fortbewegung, und besonders der Selbstzünder hat es ihr angetan: Im September 2015 hatte sie unter Hinweis auf die vermeintliche Umweltschädlichkeit des Diesels ein Fahrverbot für ältere LKW und Busse verhängt. Und dabei hatte sie auch gleich angedroht, das Verbot auf private PKW auszudehnen. Nun – mon dieu! – macht Madame ernst: Ab Juli sollen alle Autos, die vor 1997 gebaut wurden, aus Paris draußen bleiben. Und zwar an Werktagen von 08:00 bis 20:00 Uhr. Gleiches gilt für Motorräder mit Baujahr vor 1999. Zusätzlich soll die Avenue des Champs-Elysée jeden ersten Sonntag im Monat autofrei sein.

Bürgermeisterin Hidalgo will mit ihrem Vorstoß den Verkehr in der Stadt generell reduzieren und die Luftqualität verbessern, mit der Paris schon seit langem zu kämpfen hat. Besonders Smog setzt der Metropole zu, weswegen bereits Lkw, Busse und andere Großfahrzeuge nicht mehr mit Diesel fahren dürfen. Wie die Zeitungen „Les Echos“ und „Le Monde“ übereinstimmend berichten, gibt es eine Vereinbarung zwischen Hidalgo und Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal, die die neue Verordnung möglich macht.

Zwar wären nur rund zehn Prozent der Fahrzeuge auf den Pariser Straßen von der neuen Regelung betroffen, doch diese sollen aufgrund veralteter Verbrennungsmotoren bis zu 50 Prozent zur Luftverschmutzung beitragen. Geplant ist sogar, dass ab dem Jahr 2020 keine Autos, die älter als zehn Jahre sind, unterwegs sein dürfen. Für Dieselfahrzeuge soll zu diesem Zeitpunkt in der Metropole das totale Aus gelten. „Von diesem Ziel rücke ich nicht ab“, bekräftigt Anne Hidalgo.

Alle übrigen Autos sollen zukünftig in sechs, nach Alter und Emissionslevel abgestufte Klassen mit entsprechenden Plaketten an der Windschutzscheibe gekennzeichnet werden. Die Vignetten sollen anzeigen, in welche Gebiete der Stadt die entsprechenden Autos einfahren dürfen und in welche nicht, wobei die beste Klasse ausschließlich für Elektroautos und wasserstoffbetrieben Fahrzeuge gilt.

Ab Anfang kommenden Jahres sollen Verstöße geahndet werden. Beim ersten Mal kostet eine Überschreitung des Verbots 35 Euro, beim zweiten Mal 68 Euro. Hartnäckigen Sündern droht bei weiteren Vergehen ein Bußgeld bis zu 450 Euro. Schwere Lastwagen kommen weniger glimpflich weg. Sie sind von Anfang an mit 135 Euro dabei.

Schätzungsweise 10% der örtlichen Fahrzeuge sind von diesem Verbot betroffen, und es gibt Ausnahmen für „Historische“ Fahrzeuge: Fahrzeuge mit einem Alter von mehr als 30 Jahren bekommen den Stempel „Touristisch“ oder „Sammlung“ und dürfen fürderhin weiter durch den Pariser Stadtverkehr gurken. Was unterm Strich Fahrzeuge zwischen 20 und 30 Jahren Alter übrig lässt – und damit vor allem einkommensschwache Einwohner trifft, die genau in diesem Fenster zwischen „kein Neuwagen mehr“ und „noch kein wertvoller Oldtimer“ gefangen sind, mithin also schlicht und ergreifend „alte Gurken“ ihr Eigen nennen. Und das, wo Madame Hidalgo doch eher dem linken Flügel der „Parti Socialiste“ anzugehören scheint.

 

 

Was Touristen oder Geschäftsreisende angeht, die sich nun mit einem eventuellen Fahrverbot konfrontiert sehen, so kann sollte man eines nicht ganz außer Acht lassen: SPAß macht Autofahren in Paris eh schon lange nicht mehr…

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