„Tauschen? Niemals“: Interview mit Jürgen Stolze

Jürgen Stolze
Jürgen Stolze ist „General Manager Business Project Support“ bei Toyota Deutschland. Im Job ist er Schrittmacher für Toyotas Zukunft, privat hegt und pflegt er ein besonderes Stückchen toyotaler Vergangenheit.

Im Buschtaxi-Interview spricht er über seinen Job, überflüssiges Zubehör und die Faszination am Landcruiser.

Buschtaxi
Herr Stolze, ich hätte erwartet, daß Sie als General Manager mir hier im Lexus GS entgegenkommen…

Jürgen Stolze
Nö, wieso? Natürlich habe ich noch einen Dienstwagen, mit dem ich geschäftlich Kilometer abspule. Aber am liebsten fahre ich ehrlich gesagt immer noch mit meinem 73er.

Buschtaxi
Das war jetzt die perfekte Überleitung…wie mir zu Ohren gekommen ist, nennen Sie ein ganz besonderes Stück Toyota-Vergangenheit ihr eigen.

Jürgen Stolze
In der Tat: Mein 93er KZJ 73 war damals eines der ersten nach Deutschland importierten Fahrzeuge – deswegen hat er auch die herrliche Fahrgestellnummer „VZKJ73 08 0000008“.

Typenschild

Buschtaxi
Also eines der internen Vorführfahrzeuge?

Jürgen Stolze
Richtig. Ende Juni 1993 wurde es mit der Haijin in Bremerhaven angelandet und nach Köln transportiert. Das Fahrzeug in dunkelgrün metallic wurde für die Zubehör-Homologation und für Fotozwecke genutzt und mit allem ausgestattet, was im Zubehörkatalog gezeigt werden sollte. Neben der umfangreichen Serienausstattung wurden eine Klimaanlage und eine Standheizung eingebaut sowie eine Anhängezugvorrichtung, Radio, Lederlenkrad, Reserveradcover, Softtop, Rammschutz (der derzeit nicht montiert ist) und Schwellerverstärkungen. Am 03.08.1993 wurde es schließlich auf Toyota Deutschland zugelassen.

KZJ73 Jürgen Stolze

Buschtaxi
Für Deutsche Verhältnisse war das ja ein echter Vollausstatter…

Jürgen Stolze
Aber absolut! Da wurde alles drangehängt, was an Zubehör erhältlich war, ob schön oder nicht…

Buschtaxi
Sie waren damals schon bei Toyota und saßen im Controlling. Da war der 73er ja auch Ihr Dienstwagen. Wie und wann kam dieser spezielle Cruiser dann später wieder zu Ihnen?

Jürgen Stolze
Im September 1993 wurde genau dieser komplett ausgestattete LC auf der IAA in Frankfurt ausgestellt. Ein Freund hat ihn direkt von der Ausstellung gekauft und nahezu 10 Jahre ausgiebig bewegt. In dieser Zeit wurde der KJ von einer mir persönlich bekannten Toyota Fachwerkstatt betreut, das Scheckheft ist lückenlos und die technische Historie (Garantie, Kulanz, Wartung und Reparaturen) zeigt keinerlei Auffälligkeiten. Ein Fahrzeug, nach dem man sich die Finger leckt! Im Februar 2002 habe ich das Schätzchen nach langem Überreden dann mit einem Kilometerstand von 130.000 km zurückgekauft.

Um das Fahrzeug in einen seiner Historie entsprechenden Zustand zu versetzten, wurde es einer nahezu vollständigen Restaurierung unterzogen.

Der Cruiser wurde gestrippt, hier und da ein wenig geschweißt (vor allem an den Schwellern und den Kotflügeln), im Fachbetrieb neu lackiert und teilweise mit neuen Kunststoffteilen bestückt (die Lüftungsgitter seitlich z.B.).

In diesem Zusammenhang wurde technisch kaum mehr als ein kompletter Service gemacht. Dazu kam noch ein der damaligen Zeit entsprechendes Toyota CD-Radio mit Navigationssystem und es wurden Fahrer- und Beifahrersitz neu aufgepolstert (der Velourstoff ist original und sehr gut erhalten). Außerdem wurde das Fahrzeug auch gleich auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.810 kg aufgelastet.

Im März 2005, bei Kilometerstand 146.500 wurde dann der Motor einer kompletten Revision unterzogen. Der (gerissene) Zylinderkopf wurde gegen ein Modell der allerletzten Serie getauscht und es gab zudem eine Revision von Einspritzanlage und Turbolader.

Der 73er hat heute einen Kilometerstand von circa 151.000 km. Die Dunlop-Reifen (auch das original nach Standard 1993) sind nach noch nicht einmal 5.000 km fast ladenneu. TÜV und ASU wurden im Frühjahr 2006 erneuert, natürlich ohne Mängel…

Alles in allem kann man mit Fug und Recht behaupten: Jürgen Stolzes 73er ist fast ladenneu. Polster, Teppiche, die gesamte Inneneinrichtung – alles wirkt mehr als nur extrem gut gepflegt, man meint fast den Neuwagengeruch noch zu erahnen.

Von außen bietet sich das gleiche Bild: Die üblichen Stellen wurden vor kurzem neu gemacht, und zwar perfekt. Der Lack ist ist ohnehin so gut wie neu (natürlich original, versteht sich), die neuen Kunststoffteile tun ihr übriges zur perfekten Erscheinung. Selbst die unteren Türkanten, die äußeren Ecken der Hecköffnung, hinter dem Frontblech und selbst unter den (kratzerfreien!) Trittbrettern – man traut sich fast nicht, dieses Goldstück anzufassen.

Wenn man sich aber einmal vorsichtig genähert und ehrfürchtig auf dem nagelneuen Fahrersitz platzgenommen hat, offenbart sich: Auch technisch ist der Cruiser top. Der Motor schnurrt wie das sprichwörtliche Kätzchen und wird bei beherztem Tritt aufs Gaspedal zur fauchenden Großkatze. Kein Spiel in Lenkung und Schaltung, Kupplung und Bremsen perfekt…das Gefühl, in einem Neuwagen zu sitzen, läßt sich weder durch Blick auf den km-Stand noch in den Fahrzeugschein beirren.

Die regelmäßige Betreuung des Fahrzeuges erfolgt durch eine Fachwerkstatt, im Bedarfsfall unterstützt durch die geballte Kompetenz der Techniker bei Toyota Deutschland.

Buschtaxi
Was bedeutet der Landcruiser für Toyota?

Jürgen Stolze
Der Landcruiser ist und bleibt marken- und imagebildend für Toyota. Als Inbegriff der Zuverlässigkeit generiert er nach wie vor einen Großteil des hohen Produktansehens. Und darüber hinaus steht er durch seine lange Geschichte und die kontinuierliche, nie abreißende Verbesserung auch für den Kerngedanken des Kaizen („Veränderung zum Besseren“, Toyota-Management-Konzept der schrittweisen Perfektionierung, Anm. der Red.).

Der KJ73 war damals „DAS“ Fahrzeug von Toyota – vor allem, wenn man sich die damalige Modellpalette anschaut. Er war der absolute Inbegriff von Power, massivem Auftreten, Zuverlässigkeit, Spaß. Und der Turbo hat dem ganzen noch die Krone aufgesetzt: Als im Mai 1993 im Araco-Werk die Produktion der erheblich überarbeiteten letzten Serie des J7 Light Duty begann, war vor allem das neue Triebwerk eine ganz entscheidende Veränderung. Mit dem 3-Liter-Turbo und seinen 125 PS war der J7 endlich annehmbar motorisiert!

Buschtaxi
Und was bedeutet Ihr LC für Sie persönlich?

Jürgen Stolze
Ich hatte mich damals gleich in den LC verguckt. Es geht noch nicht einmal darum, daß das Auto fährt…alleine das drin sitzen erzeugt schon Herzklopfen! Schon wenn er steht, bekomme ich ein Grinsen ins Gesicht. Alleine schon durch Form und Größe, die Solidität und Robustheit – das ist ein absolut einmaliges Gefühl, man sitzt drin wie in einer Burg.

Natürlich gibt es auch eine Vielzahl von Erinnerungen an die Zeit, in der ich das Fahrzeug als Dienstwagen gefahren bin. Schließlich bin ich dienstlich alleine von 93-96 nur verschiedene LC gefahren.

Die Landcruiser haben bei mir alles mitgemacht, beruflich und privat. Ein wirklich tolles Exemplar war damals ein komplett schwarzer KJ73, ein Sondermodell als Musterexemplar. Mit schwarz lackiertem HT und dunkelroter Lederausstattung, an die sich selbst die Kollegen heute noch erinnern. Dieses Auto hatte flache und gewaltig breite…(zögert, es auszusprechen)…Sportfelgen mit Niederquerschnittsreifen. Als ich den LC in Empfang genommen habe, lagen die noch im Kofferraum. Als ich damit dann in die Werkstatt fuhr und die 19-Zöller aufziehen lassen wollte, stieß der Technik-Chef mit blitzenden Augen auf mich hinunter und herrschte mich an „Das kommt ja überhaupt nicht in Frage!“ Die Reifen kamen dann wirklich nur fürs Pressefoto auf das Fahrzeug…

Buschtaxi
Gäbe es denn eine Alternative zu Ihrem 73er?

Jürgen Stolze (wie aus der Pistole geschossen)
Die einzige Alternative wäre der HZJ74, da gibt´s überhaupt keine Diskussion.

Buschtaxi
Und wieso steht noch keiner auf dem Hof?

Jürgen Stolze
Weil der 73er mich wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit begleitet…

Buschtaxi
Gibt es denn etwas, was Sie an Ihrem Landcruiser stört, vielleicht sogar nervt?

Jürgen Stolze
Die Steuer! Das nervt tatsächlich ganz schön, vor allem im Hinblick auf die 3-4000 km, die ich damit pro Jahr lediglich fahre. Vor ein paar Jahren die ganze Arbeit mit Auflastung, Gutachten usw. – und jetzt kommt wieder was anderes. Da gehört schon viel Enthusiasmus dazu, um das mitzumachen…

Was vielleicht sonst noch ein wenig…nun ja, die Pflege ist schon sehr intensiv, wenn man das Fahrzeug in diesem Zustand behalten möchte.

Buschtaxi
Das merkt man dem grünen fast nicht an…im Ernst: Ihr Cruiser steht da wie direkt aus dem Showroom!

Jürgen Stolze (lächelt verträumt)
Finden Sie…?

Buschtaxi
Holen wir Sie mal zurück in die Wirklichkeit: Was macht ein „General Manager Business Support“ eigentlich?

Jürgen Stolze
Als General Manager bin ich direkt der Geschäftsleitung unterstellt und unterstütze diese durch die Leitung bereichsübergreifender Projekte. Dabei beschäftige ich mich mit Strategieentwicklung, übergreifender Reorganisation von Abteilungen und Prozessen.

Buschtaxi
Toyota Deutschland: Wo geht die Reise hin?

Jürgen Stolze
Wir haben große Ziele und wir arbeiten mit Nachdruck daran. Die oberste Zielsetzung heißt: 200.000 Einheiten im Jahre 2010 (2006 waren es 148.000 inkl. Lexus, Anm. der Red.). Toyota Deutschland war 2006 der größte Toyota-Distributeur innerhalb Europas – diesen Platz gilt es zu halten und auszubauen.

Buschtaxi
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei…a propos „wünschen“: Gibt es etwas, das Sie dem Buschtaxi zum 6-jährigen Bestehen wünschen?

Jürgen Stolze
Zuerst einmal natürlich alles Gute! Das Buschtaxi soll auf jeden Fall weitermachen wie bisher und eine so konstant und konsequent steigende Leistung bringen wie in den letzten 6 Jahren (damit wären wir wieder bei Kaizen!). Es sollte sich auch weiterhin als kompetenter Ratgeber den Themen stellen, die uns LC-Fahrer interessieren. Insbesondere der Steuer…

Buschtaxi
Herr Stolze, vielen Dank für das Gespräch!

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