Video: Der Land Cruiser EJ79 von Extrem (70 Series EV)

Auf der diesjährigen „Abenteuer & Allrad“ überraschte „extrem Fahrzeuge“ mit einem 79er, der mit dem Kürzel „EJ“ beschrieben wurde. „E“ für „Elektro“. Und tatsächlich: Wenn man die Haube öffnete, fand sich darunter kein 1HZ und auch kein 1GR-FE, sondern eine große Alu-Abdeckung mit dem „Vorsicht! Elektrische Anlage!“-Warnaufkleber.

Ich habe mir am Freitag mal angeschaut, was es damit auf sich hat…und ob diese Abdeckung nur Attrappe war oder sich auch wirklich was darunter verbirgt… 😉

Kurze Zusammenfassung:

Extrem Fahrzeuge und der Elektro-Umrüster Lorey haben einen Land Cruiser HZJ79 genommen, ihn seines dieselnden Herzens beraubt, an seiner Stelle einen bürstenlosen Asynchronmotor ans originale Getriebe angeflanscht, eine ordentliche Portion Akkumulatoren drübergepackt…und schon ist aus dem HZJ79 ein EJ79 geworden: Der Land Cruiser wurde elektrifiziert.

Das ganze hat noch den Prototypenstatus, was man jedoch nur an Kleinigkeiten bemerkt. Unter anderem ist das Fahrzeug bis auf den 1HZ noch komplett so, wie es vom Band lief: Schnorchel, beide Tanks, Auspuff und dergleichen befinden sich immer noch da, wo sie waren. Das ist für ein Elektrofahrzeug im Endstadium natürlich Quatsch und bringt nur Gewicht, aber hier geht es u.a. auch darum, dass der Prototyp jederzeit wieder zurückgerüstet werden kann.

Die Leistungsdaten machen den 79er nicht gerade zu einem Kandidaten fürs Drag Racing: 45 PS und 160 Nm reißen keine Löcher in den Asphalt…das ist allerdings dem Einsatzzweck geschuldet: Dieses System wird fürderhin in einem Tierpark in Botswana seinen Dienst tun und dort Touristen von Wasserloch zu Wasserloch fahren. Dafür reicht die Systemleistung natürlich lässig aus. Ähnlich sieht es mit der Reichweite aus: Derzeit reicht die Akkuleistung für etwa 80 km, wobei im 79er ja noch eine Menge Platz ist. Darüber hinaus wird beim Bremsen auch Energie zurückgewonnen – allerdings bremst man bei 45 PS nicht so wahnsinnig viel… 😉

Für eine Zulassung in Europa wäre natürlich ein stärkerer Motor vonnöten, und damit auch ein stärkerer Akkupack. Das jedoch treibt auch den Preis nach oben: Mit dem kleinen Motor und Akkus für 80 km Reichweite kostet die Umrüstung stolze 25 tsd. Euro, pro weitere 80 km Reichweite 10 tsd. Euro mehr. Natürlich ist das in dieser Form nicht wirtschaftlich, allerdings: Es ist ein Prototyp, wie gesagt. Größere Stückzahlen bedeuten Preissenkung, wie überall, und die Entwicklung schreitet ja gerade bei den Akkukapazitäten auch rasend schnell voran.

Und wie fährt sich das ganze? Nun ja…etwas schleppend, logisch, aber keinesfalls wie ein rollendes Verkehrshindernis. Das ist aber nicht der Punkt, das kann bei 45 PS ja auch gar nicht anders sein. Wobei man gestehen muss: Wenn man mal drüber nachdenkt, ist es absolut ernüchternd, dass ein 79er auch mit 45 PS vorankommt… 😉 Natürlich ist ein 45-PS-Elektromotor nicht mit einem Verbrenner gleicher Leistung vergleichbar, denn beim Stromer liegt das volle Drehmoment ja ab der ersten Umdrehung an. Dennoch: Es geht. Und wenn ich mir jetzt noch vorstelle, dass da ein 100-kW-Elektromotor unter der Haube steckt, bekomme ich ein ziemlich breites Grinsen ins Gesicht.

Einzig das Anfahrverhalten ist ganz und gar nicht das, was ich mir von einem modernen Elektrofahrzeug wünsche: Mit der typischen Gabelstapler-Gedenksekunde wird der Fuhre wahnsinnig viel Dynamik genommen. Das rächt sich vor allem beim Ausflug abseits der Straße: Dort, wo ich mir gerade von einem Elektromotor sauberes und sofortiges Ansprechen und feinfühlige Dosierung erwarte, ist das Lorey-System noch lange nicht das gelbe vom Ei. Der 79er spricht träge und verzögert an, und in der Untersetzung schaukelt er sich teilweise stark auf. Aber: Es ist eben ein Prototyp. Sein Sinn und Zweck ist ja gerade, daraus zu lernen.

Fazit:

Wer jetzt die entscheidende Frage nach dem „Warum?“ stellt, dem sei entgegengesetzt: Einfach, weil’s geht… Und wir müssen natürlich unsere angestammte Position des Fernreisenden mal verlassen, um ein solches Konzept zu betrachten: Das ist ja überhaupt nicht das Ziel der Anwendung. Schlussendlich werden die meisten Land Cruiser weltweit gekauft, um schlicht und ergreifend damit zu arbeiten. Ob in Wald und Forst, unter Tage, in Städten oder beim Militär: Es gibt sie, die sinnvollen Anwendungen für Elektrofahrzeuge, auch für solche dieses Kalibers. In diesem speziellen Fall geht es darum, zu zeigen, dass es geht. Das haben Extrem und Lorey geschafft: Das System funktioniert und es wird auch konkret eingesetzt…in meinen Augen haben sie mit diesem Prototyp also alles richtig gemacht.

Die Links:
http://www.extremfahrzeuge.com/
http://www.lorey-maschinenbau.de/

 

Diskussion: http://forum.buschtaxi.org/im-test-der-land-cruiser-ej79-von-extrem-t52444.html

 

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