Testbericht: Mobile Ladestation 11 kW von dé

Ein Wallbox-Test im Buschtaxi? Klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Die wenigsten von uns fahren ausschließlich alte Vorkammer-Diesel, sondern haben noch ein Alltagsfahrzeug, ein Familienauto, einen Firmenwagen und kommen genau da mehr und mehr in Kontakt mit der Elektromobilität und ihren (derzeit noch) beiden großen Hürden: Reichweite und Lade-Infrastruktur. Und: Erst unlängst wurde der Hilux in einer BEV-Variante vorgestellt, der Elektro-Land Cruiser wird folgen, auch das ist also nun Realität.

Ich habe in den letzten Jahren sowohl die Plug-in Hybride als auch die reinen Elektroautos von Toyota und Lexus ausführlich testen dürfen und habe meine eigenen Erfahrungen mit dem Stromnachschub gesammelt: Zu Hause konnte ich bislang nur am Schuko laden, wo man jede Milliwattstunde einzeln durch die Leitung tröpfeln sieht, handfeste Ladeverluste in Kauf nimmt und zudem ständig im Hinterkopf hat, dass man Steckdose und Leitungen stundenlang am Limit zu belastet. Das macht keinen Spaß. Aber zum Schnelllader fahre ich deshalb auch nicht extra (wenn ich nicht ohnehin gerade unterwegs bin), denn die Mehrkosten und vor allem die Rumsitzerei möchte ich mir ersparen.

Eine feste Wallbox installiere ich mir nicht, solange ich nicht gesichert für ein paar Jahre elektrisch unterwegs bin. Aber ich habe eine wunderschöne Drehstrom-Zapfstelle in Reichweite, oder, fachlich korrekt ausgedrückt: Eine 3-phasige CEE-Industriesteckdose nach IEC 60309 mit 16 A und 400 V. Starkstrom halt. Jetzt ist mir als Maschinenbauer Strom ja eher suspekt (ich kann’s nicht sehen, also ist das alles Hexerei), dennoch kam mir unmittelbar der Gedanke: „Da gibt’s doch sicher was im Fachhandel.“

Gibt es. Natürlich. „Mobile Wallbox“ nennt sich das meistens, kommt auf der einen Seite in die CEE-Dose und auf der anderen ins Auto. Und „schwupps“ lädt man mit 11 kW. Hexerei, ich sag’s ja.

Mobile Wallboxen sind die schöne, flexible Zwischenlösung ohne feste Installation und mit dem „Mobilitätsbonus“: Man kann sie ja auch mitnehmen und überall anstöpseln, wo man Drehstrom findet. Als ich vor zwei Jahren danach suchte, lagen die drei von mir gefundenen Modelle zwischen 800 und 1.500 Euro (der „Juice Booster“ ist wohl der bekannteste), mittlerweile hat sich auch da sehr viel getan. Bei einer aktuellen Suche fand ich unter anderem den chinesischen Hersteller „dé“, der ein solches Gerät schon ab 170 Euro anbietet. Ich bin bei solchen Preisen grundsätzlich skeptisch, habe mir das aber trotzdem mal angeschaut, mit dé gesprochen und dann freundlicherweise ein Testgerät zur Verfügung gestellt bekommen: Die „mobile Ladestation 11 kW V2„. Die ist mit CE-Kennzeichnung EU-konform, die Website (depow.de) ist ordentlich aufgebaut, der Kundenservice spricht Deutsch, sie geben 36 Monate Garantie – kurzum, das schaut alles ordentlich aus. Also her damit.

 

Technik & Positionierung

Der Hersteller beschreibt das Gerät als „universelle Ladelösung für unterwegs und zuhause“ und als kompatibel mit allen E-Autos mit Typ-2-Anschluss. Laut Website lädt es mit bis zu 11 kW und lässt sich ohne Installation sofort an CEE-16 A-Dosen nutzen. depow hebt die Mobilität, Flexibilität und einfache Plug-and-Play-Nutzung hervor.

Weitere beworbene Punkte auf der Produktseite sind:
– Manuelle Stromstärke-Anpassung von 6 A bis 16 A (zur Anpassung an lokale Gegebenheiten oder Netzbelastung).
– Timerfunktion (0,5 – 8 h) zur Nutzung von günstigen Tarifen oder PV-Überschuss.
– Schutz vor Überstrom, Unter-/Überspannung, Leckstrom, Überhitzung, Erdungsfehler und Kurzschluss.
– IP66-Gehäuse und IP55-Stecker für Regen, Staub, Hitze und Frost.
– Betrieb zwischen –25 °C und +50 °C.
– CE-Zertifizierung und 3 Jahre Garantie.

Es gibt sie mit verschiedenen Kabellängen (bis 25 m!) und in je einer Version mit und ohne App-Steuerung.

 

Lieferumfang & erster Eindruck

Geliefert wurde die Version mit 6 m Länge (CEE-Kabel, Steuerbox, Ladekabel), ohne App-Steuerung und mit zusätzlichen Adaptern (Schuko, CEE 16 A, CEE 32 A gedrosselt, Campinganschlüsse). Dazu eine Tragetasche, eine Wandhalterung (damit wird’s ja doch fast zur echten Wallbox) und eine tatsächlich ordentlich übersetzte Bedienungsanleitung. Alles in allem nicht zu viel, nicht zu wenig.

Alles wirkt angenehm robust und ist von Haptik, Material- und Verarbeitungseindruck über meinen Erwartungen.

 

Bedienung & Steuerlogik

Die Bedienung ist simpel: Es gibt ein großes Display und zwei Tasten. Die Tasten dienen der Einstellung von Stromstärke (6/8/10/13/16 Ampere) und Timer (0,5 bis 8 Stunden Ladezeit sind in 30-Minuten-Schritten vorwählbar), das Display zeigt aktuelle Leistung, Spannung, Restzeit und geladene Energie und ist im laufenden Betrieb gut ablesbar.

Ein kleiner Komfort-Abstrich: Während des aktiven Ladevorgangs sind Einstellungen nicht mehr veränderbar, man muss also abbrechen, einstellen, neu ins Auto stecken.

 

Ladepraxis

Schuko (230 V 1-phasig) habe ich nur kurz angetestet, mir geht es ja um den Drehstrom.

Der Hersteller verspricht „bis zu 11 kW“. Das geht natürlich nur, wenn CEE, Absicherung, Zuleitung und Auto das auch hergeben.

Die Realität: Bei 16A kam ich tatsächlich auf satte 10,7 kW Ladeleistung, bei 10A dann auf 6,4 kW. Ich habe das eine zeitlang beobachtet, der Ladestrom floss konstant und ohne Sprünge (zumindest wurde es so angezeigt), das Gerät wurde nicht warm, die angezeigten Werte stimmen mit den im Fahrzeug ausgegebenen Werten überein. Sehr viel mehr lässt sich ja nicht testen…einstecken, laden, fertig. Es hat funktioniert. Wie das dann im Dauerbetrieb nach mehreren Jahren ausschaut, kann ich natürlich nicht beurteilen.

 

Sicherheit, Schutz, Kritik

Depow listet auf der Website einen umfangreichen Schutzkatalog: Überstrom, Unter-/Überspannung, Leckstrom, Überhitzung, Erdungsfehler und Kurzschlussschutz. Auch die IP-Werte sprechen für allwettertaugliche Verarbeitung: Der Ladeziegel darf laut Hersteller auch draußen im Regen liegen. CE-Kennzeichnungen sind auf allen Teilen sichtbar.

Was mich stutzig machte: Die Erdungsprüfung kann deaktiviert werden, um in Notfällen an Problemanschlüssen zu laden. Grundsätzlich kommen mir solche „Notbetrieb-Lösungen“ ja entgegen, aber wir sprechen hier von Strom (Hexerei, siehe oben)…man sollte wissen, was man da tut und dass man ein nicht unerhebliches Risiko eingeht, wenn man die Erdung abschaltet.

 

Smart-Funktionen & Varianten

Das von mir getestete Gerät ist „offline“, was ich eigentlich sehr angenehm finde. Optional ist eine Version mit App-Steuerung erhältlich, die (via WLAN) zusätzliche Funktionen wie Fein-Regelung, Ladehistorie und Zeitplanung bieten kann.

Was mir dennoch fehlt: Ein Speicher für die abgeschlossenen Ladevorgänge.

Bild des Herstellers

 

Preis & Positionierung

Der Preis liegt deutlich unter klassischen mobilen High-End-Lösungen, und das lässt oft eine „abgespeckte Low Quality-Lösung“ vermuten. Das kann ich nach dem Test nicht bestätigen. Die Kommunikation war schnell und einwandfrei, die Verpackung ordentlich, Gerät und Zubehör vermitteln einen ordentlichen, wertigen Eindruck. Wie oben erwähnt: Was geliefert wurde, übertraf meine Erwartungen. Natürlich kann ich nicht ins Gerät schauen, und es bleibt offen, wie sich das Gerät nach zwei, drei Jahren schlägt.

 

Rechtliche Einordnung

dé selbst sagt auf der Website „eine Anmeldung ist nicht nötig“, das ist allerdings zumindest für Deutschland nicht richtig: Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge (alias „Wallbox“) müssen grundsätzlich beim Netzbetreiber angemeldet werden – auch die mobilen! Geregelt wird das in §19 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV), die durchs Netz geisternden „ab 3,7 kW“ gelten nicht mehr, eine Anmeldepflicht gilt unabhängig von der Leistung der Ladeeinrichtung. Letztendlich geht es dabei nur darum, das Netz stabil zu regeln, die Anmeldung ist also eine Formsache. Ab einer Ladeleistung von 11 kW muss eine Wallbox dann auch genehmigt werden (der Anschluss darf aber nur verweigert werden, wenn konkrete Gefahr für die Sicherheit oder Zuverlässigkeit des Stromnetzes besteht). 

Im mobilen Einsatz bei Freunden, im Urlaub oder auf Reisen bewegt man sich rechtlich vermutlich in einer Grauzone, es ist ja kein Dauerbetrieb.

Bild des Herstellers

 

Fazit

Die mobile Ladestation von dé ist ein durchdachtes, gut nutzbares Werkzeug: Einfache Bedienung, flexible Adapter, echtes 11-kW-Laden unter CEE, keine feste Installation, optional mit App-Steuerung. Was fehlt, ist ein Speicher der vergangenen Ladevorgänge.

Was sie nicht ist und auch nicht sein will: High-End-Smart-Hub mit PV-Überschussladen, dynamischer Laststeuerung, externer Netzbetreiber-Anbindung und ähnlichen Funktionen. Aber das kann man für diesen Preis nun wirklich nicht auch noch erwarten.

 

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