KDJ42 by KEBA – wenn man mal freie Hand hat…

Manchmal träumt man davon, Dinge zu verbessern. Speziell unser liebstes Spielzeug. Deshalb wird auch hin und wieder ein klitzekleines bisschen geschraubt: Motoren, Getriebe, Achsen…was irgendwie passt, wird auch irgendwo verbaut. Je besser es passt, desto lieber, der Aufwand soll ja auch nicht alle vernünftigen Maße übersteigen.

„Aufwand“, tja, wenn halt der Aufwand nicht wäre. Dann nämlich könnte man…

Was könnte man dann? Vielleicht einen Land Cruiser bauen, der nagelneu ist und trotzdem alt und kultig ausschaut? Mit modernem Motor, vielleicht schraubengefedertem Chassis, Luxus-Ausstattung und Kunststoffkarosserie? Neee, Quatsch, das wäre doch wirklich ein wenig arg viel Aufwand!

Oder…?

Was passiert, wenn überschäumende Träume auf ein leeres Blatt Papier und ausreichend materiellen Hintergrund treffen, durfte Siegfried Burk von Allrad KEBA letztes Jahr am eigenen Leib erfahren. Mehr noch: Er durfte es umsetzen. Beauftragt von einem Kunden mit viel Phantasie hat er quasi getan, was jeder große Junge täte, wenn man ihn im Spielwarenladen einschließt: Er hat gebaut. Und ganz offensichtlich hatte er kein wirklich vorgegebenes Limit. Denn was Siggi da auf die profilierten Räder gestellt hat, das lässt einen im ersten Moment stutzen…und verschlägt einem im zweiten Moment schon ein wenig die Sprache.

 

 

DIE BASIS

Als Grundlage dieses braunen Geschosses diente der Rahmen eines verunfallten HZJ71. Gerade einmal 1.900 km jung und mit dem perfekten Radstand gesegnet, bildet er mitsamt seiner Achsen die solide Basis. Da man alles hinter der hinteren Blattfederaufnahme eh nicht braucht, wurde der Rahmen dort kurzerhand um ganze 18 Zentimeter eingekürzt und durch eine neue Hecktraverse verstärkt. Letztere mit „massiv“ zu bezeichnen, wäre eine himmenschreiende Untertreibung: Wenn irgendetwas die Zeiten überdauert, dann diese Traverse. Schlussendlich muss da ja später auch noch eine Anhängerkupplung dran.

Die Achsübersetzungen wurden geändert, um großen Rädern gerecht zu werden, beide Achsen haben Differentialsperren. Vorne fand die Bremse aus einem 24V-HDJ80 statt, und auch hinten verzögert logischerweise eine Scheibenbremse. Vorne werden die Achsen von Mr. Ironman gefedert, hinten an Parabolfedern geführt.

Was fehlt noch an der Basis? Richtig: Die schwarzen Gummis. Das sind, es gibt ja grundsätzlich keine „zu großen Räder“, MTs in der Größe 35×12,5 auf 17-zölligen Felgen der Marke Delta BBS. Neunkommafünf Zoll breit, übrigens, irgendwo muss man das ganze Gummi ja unterbringen.

DER AUFBAU

Die beliebteste Karosserieform war immer, ist immer noch und wird auch immer bleiben: Der selige J4. Klar, dass auch hier eine 4er-Karosserie draufgeschraubt werden musste, das hätte ICH als Kunde auch so entschieden. :biggrin:

Andererseits auch klar, dass das nicht einfach nur ein altes Viererhäuschen sein durfte: Die jahrelange enge Zusammenarbeit mit GfK-Spezialist Christian Weiß machte den Einsatz einer Kunststoffkarosserie sozusagen fast unumgänglich, jedoch wurde sie in diesem speziellen Fall mit zusätzlichen Versteifungen versehen, und auch die Halterungen wurden angepasst. Die Kotflügel vorne wuchsen um satte 10 Zentimeter in die Breite, um später die massiven Räder abzudecken, und auch hinten wurden recht ansehnliche GfK-Kotflügelverbreiterungen montiert. Lediglich die Seitenwände des Hardtops und die obere Heckklappe durften blechern bleiben.

Abgerundet wird das Ganze durch einen massiven Rammschutz (der wirklich Geschmackssache ist…) und eine WARN 9000 mit Kunststoffseil.

Für die bessere Ausleuchtung sorgen schließlich Hella Luminator Xenon. „Zu viel Licht!“ ist ja ebenfalls kein allzu oft gehörter Spruch. Hinten schmücken LED-Rückleuchten die Hecktraverse. Auch das sicherlich Geschmackssache, jedoch stimmig im modernisierten Gesamtkonzept.

 

DER INNENRAUM

Wer unten und außen klotzt, kleckert auch im Innenraum nicht: Mitten im originalen Armaturenbrett sitzt die verstellbare, lederbezogene Lenksäule aus dem Toyota-Setzkasten, die ihrerseits mit der Servolenkung aus dem HZJ71 verbunden ist. Und wer durch die Speichen des Leder-Sportlenkrads durchlugt, entdeckt auch gleich den Tempomat-Hebel und ein Stückchen weiter die vielen Schalter und Hebelchen für diverse andere Funktionen.

Sitze, Bänke, Türverkleidungen, Prallschutz am Armaturenbratt und die eigens angefertigte Mittelkonsole wurden mit Kunstleder bezogen und zweifarbig abgesetzt. Das Radio hat eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung, auch wenn die ab einer bestimmten Geschwindigkeit nicht mehr wirklich nützlich sein dürfte. ;-)

 

DAS FAHRERLEBNIS

Gütiger Himmel, schiebt das Ding an…der 1KD-FTV ist ja an sich schon kein Kind von automobiler Traurigkeit, aber in Verbindung mit diesen Achsen und den 35er Rädern fühlt sich das schon recht vehement an. Dennoch ist es sehr ausgewogen: Die Gänge sind nicht zu kurz, sondern sehr harmonisch abgestuft. Es steht jederzeit ausreichend Power zur Verfügung, die allerdings sowohl brachial als auch recht gemütlich eingesetzt werden kann. Mann kann also nach dem Breslau-Prolog also auch noch schnell einkaufen fahren, ohne schweißnasse Hände zu bekommen. Er fährt sich schlicht sehr angenehm in allen Situationen. Zumindest in allen, die ich ausprobiert habe.

Der Geradeauslauf ist erstaunlich gut, wenn man an die Proportionen, den Schwerpunkt und die Reifen denkt, und auch das kleine Lenkrad schadet nicht: Die Fuhre lässt sich auch bei höheren Geschwindigkeiten gezielt, sicher und leicht bewegen. Über hundert habe ich es auf der Probefahrt-Route nicht geschafft, ich habe mir jedoch von Siggi sagen lassen, dass man sich auf der Autobahn sehr zusammenreißen muss, um nicht alles rauszuholen. Eben weil es sich so solide anfühlt. Aber machen wir uns nichts vor: Mit dem kurzen Radstand, dem hohen Schwerpunkt und den 35er Rädern sollte man es nicht übertreiben. Die Physik ist Dein Freund, solange Du sie nicht zu überlisten versuchst…

DAS FAZIT

Das Ding macht Spaß! Und zwar mächtig. Der KDJ42 lässt sich so easy bewegen und vermittelt dabei ein derartig solides Fahrgefühl, dass man unter dem Strich zu dem Schluss kommt: Ja, diese Verbindung ist eine gewagte, aber sie funktioniert. Das ist zwar weder ein J4 noch ein J9, und auch nichts dazwischen, aber dieser „Hybride“, der hier entstanden ist, fühlt sich erstaunlich ausgereift an.

Die Kosten? Tja, das ist so ziemlich der einzige Punkt, zu dem ich von Siggi Burk keine wirklich tragfähige Aussage bekommen habe… Käuflich erwerben kann man dieses Schätzchen derzeit für knappe 40 tsd. Euro. Aber wer sich die Liste der verbauten Teile mal durchliest und den Aufwand überschlägt (inkl. aller Vorüberlegungen, Tests, Anpassungen, Umbauten, Einzel- und Neuanfertigungen), dem wird sofort klar: Diese 40 großen Scheine reichen nie im Leben.

Losgelöst davon muss ich aber feststellen: Die Idee ist völlig verrückt, aber interessant und funktionabel. Und nicht zuletzt ist es eine respekteinflößende Arbeit!

 

Diskussion: http://forum.buschtaxi.org/kdj42-by-keba-wenn-man-mal-freie-hand-hat-t39245.html

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