Sicherheit für die Reifen: Staun Beadlocks

Der nachfolgende Text entstammt der großen „wird der Dün-O-Mat rechtzeitig zur Libyen-Tour fertig„-Serie, die im Herbst 2007 die Buschtaxi-Gemeinde in ihren Bann zog…unter anderem wurden bei der Aktion Beadlocks von Staun verbaut, getestet und beschrieben:

Auf der Abenteuer & Allrad habe ich bei Outback Imports die Beadlocks von Staun entdeckt – ein australisches System, das im Gegensatz zu den mehrteilig geschraubten Beadlock-Systemen recht einfach und ohne große Änderungen montierbar ist.

Wer mit „Beadlock“ jetzt nichts anfangen kann: Die ursprüngliche Idee ist, den Reifen durch einen verschraubten Ring vor dem Verdrehen auf der Felge zu schützen. Das ist vor allem bei sehr geringen Drücken sinnvoll, wie man sie im Gelände nunmal gerne fährt. Der Reifen kann nicht mehr von der Felge springen und es kann kein Sand oder Dreck dazwischen kommen (wer hat noch nicht in der Wüste einen Reifen runtergezogen, weil der dazwischengewanderte Sand einen schleichenden Plattfuß fabriziert hat?).

Staun Products (und andere Hersteller) haben das Problem anders gelöst: Ins Felgenbett kommt ein Schlauch, drüber ein Gewebeband. Der Schlauch bekommt ordentlich Druck und presst so den Reifen von innen gegen die Felge. Bestechend einfach! Und es muß nix groß geändert werden, es kommt nur ein weiteres Loch in die Felge für das zweite System.

Die Dinger haben gegenüber der geschraubten Version noch einen weiteren ganz großen Vorteil: Bei einem Plattfuß fungieren sie sogar noch als Notlaufsystem. Feine Sache, das!

Bezüglich „Notlauf“: Die Dinger sind zwar nicht schußfest (so ein Ärger!), aber nichts desto trotz ist das eine sinnvolle Sache. Ich hatte mal mit 80 in der Baustelle (mitten in der Rückführung auf die normale Spur) einen Ventilabriß. Und ich muß sagen: Das geht ganz schön fix nach unten, wenn man 255er Reifen bewegt. Kein Spaß, wirklich. Beim Beadlock passiert erstmal nichts großartiges – selbst weiterfahren wäre ohne weiteres möglich, auch wenn natürlich irgendwann der Mantel durch die erhöhte Walkbewebung irgendwann mal Schaden nimmt.

Lange Geschichte, kurzes Ende: Auch daran konnte ich nicht vorbeigehen…

„Jetzt spinnt er“, denkt Ihr Euch. Klar spinn´ ich. Gebe ich auch offen zu! Aber Ihr müsst zugeben, daß die Idee doch wirklich was hat… 😀

Die Offroad-Manufaktur in Hamburg ist der Generalimporteur für Staun Products. Aber mit runterschicken isses ja nicht getan, die Dinger müssen ja auch montiert werden. Und da ich das nur ungern mit dem Montiereisen auf dem heimischen Hof erledige, lag es nahe, Marcus Berg damit auf den Nerv zu gehen und das Ding in Iserlohn gemeinsam draufzupfriemeln.

Und eine Pfriemelei ist das wahrlich – aber nur beim ersten Mal, danach geht es eigentlich recht fix. Ist ja eigentlich auch kein Hexenwerk:


Stier vück, ähm, vier Stück, originalverpackt. Das Ersatzrad hat keins bekommen, da war mein Geld alle. Stückpreis irgendwas um die 160 Euro, so genau weiß ich das nicht mehr, mir wurde urplötzlich so schwarz vor Augen…


Beadlock-Kappe


Schlauch, Talkum, Ventil


Meine Felge – 7×16, Stahl. Jaja, ich weiß: Da muß ich nach dem Urlaub wohl nochmal ran…dann werden die Dinger gestrahlt und schwarz pulverbeschichtet.


Altes Ventil abgeschnitten, neues reingeschraubt.


Ventil von unten.


Loch fürs zweite Ventil anzeichnen…


…und 8er Loch bohren (autsch!).

Staun gibt an, das zweite Ventil 15 cm neben das erste zu setzen – und zwar innen ins Tiefbett. Da man an die Dinger nicht mehr rankommt und ich keinen Grund sehe, warum das unbedingt so sein muß, haben wir das zweite Loch auf Empfehlung der Offroad Manufaktur außen exakt gegenüber dem anderen gemacht. Auch wegen der Wucht…


Reifen drüber…


…Talkum in die Beadlock-Kappe…


…und auf den Schlauch…


…Beadlock reingepfriemelt…


…und hinterher den Schlauch…


…und die zwei Gewebe-Streifen schön links und rechts vom Ventil – das ist der Bypass, durch den der Reifen später befüllt wird!

Der Schlauch im Beadlock bekommt 3,5 Bar und drückt damit auch sofort den Reifen an die Felge. Wir haben es getestet: Das Ding sitzt bombenfest, da beweg sich nix mehr. Klasse!

„Was ist das Mehrgewicht an ungefederter Masse?“, fragen jetzt die Erbsenzähler…jaja, habe ich mich ja auch gefragt, als alter Gewichtsfanatiker. In Zahlen: 1,4 Kilo wiegt ein Reifen hinterher mehr. Entspricht insgesamt 8 Bier. Die man aber auch braucht, wenns den Pneu mal von der Felge zieht…

Natürlich schossen mir da vorher einige Fragen durch den Kopf: Halten die Dinger, was sie versprechen? Was, wenns nix taugt? Was mache ich unterwegs, wenn es sich als Unsinn entpuppt?

Aber im Grunde genommen ist auch das schnell beantwortet: Sollte unterwegs was damit passieren, werden die Dinger halt schnell wieder rausgeworfen und das zweite Loch mit einem Ventil verschlossen. 4 Ersatzventile habe ich dabei.

Hochgeschwindigkeitstauglich sind die Teile natürlich nicht, aber mehr als 150 läuft der Dün-O-Mat eh nicht und ich bin auch nicht auf einer Rallye unterwegs.

Ich bin gespannt, wie die Dinger sich bewähren!


Teil II: Erfahrungsbericht nach der Tour

Also, Freunde des schwarzen Runds…jetzt wollt Ihr wissen, wie sich die Dinger bewährt haben?

Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: Die Dinger sind das Tüpfelchen auf dem „i“, das Salz in der Suppe, eine weitere Stufe auf dem Weg zur Vollendung des Dün-O-Maten…

Jaja, klingt jetzt sehr euphorisch, ich weiß. Aber ich bin wirklich völlig von den Teilen begeistert.

Warum? Ganz einfach weil sie mir perfekt ins Konzept passen und meinen Toyo noch ein Stückchen näher an das heranrücken, was mir vorschwebt.

Nochmal kurz zur Erinnerung: Mein Ziel ist nicht das perfekt hergerichtete Schmuckstück und auch nicht eine möglichst hohe Zubehörrate. Ich möchte einfach nur fahren und dabei Spaß haben – und ich liebe Sand, mehr als alles andere im Gelände. Und wenn das Fahrzeug nebenher durch die eine oder andere Maßnahme noch geschont wird und dadurch zuverlässiger wird, dann ist das ebenfalls willkommen.

Da der 75er schon aufgrund von Gewichtsverteilung und Schwerpunkt per se nicht unbedingt das ideale Dünenfahrzeug ist, muß man (mußte ich) da schon noch ein wenig was tun. Mir persönlich sind vor allem wichtig:
– leichtes Fahrzeug
– gute Gewichtsverteilung
– einfacher, leichter Ausbau ohne Schnickschnack
– starker, aggressiver Motor
– gutes und verschränkungswilliges Fahrwerk
– anständige Reifen

(Fast) alles andere ist nettes Beiwerk (und ja, davon habe ich auch so manches).

Und die Beadlocks passen einfach gut zu meinen Anforderungen.

Wer im Sand fährt, läuft Gefahr sich die schwarzen Dinger da unten von der Felge zu drücken oder sich zumindest Partikel zwischen Reifen und Horn einzufangen. Beides äußerst unschön. Nichts desto trotz fängt im Erg der Spaß bei 0,5 bar erst so richtig an.

Und genau da greifen die Beadlocks an: Mit den Dingern fährt man tatsächlich völlig entspannt und kann endlich Fahrmanöver abziehen, die man normalerweise unter allen Umständen vermeiden würde.

Ich habe es dabei bewußt wirklich übertrieben: 0,5 bar – und dann mit 90 über die Ebene und Kurven ziehen. Mit Volldampf auf der Hinterachse Achter drehen. Alles kein Thema, das interessiert die Reifen nicht sonderlich. Natürlich sind wir uns einig, was ich der Karkasse damit angetan habe…aber normalerweise übertreibt man es ja auch nicht derartig.

Und dann…tja, dann kann man wirklich „einfach mal hinfahren und schauen“. In aller Seelenruhe und meistens im Standgas. Und wenn´s nötig ist, fährt man mitten in der Steigung halt nochmal an, auch das geht.

Der Latsch ist bei Nullfünf ja wahrlich groß genug…:

😉

Fazit: Ich bin haltlos begeistert und möchte die Teile nicht mehr missen.

Allerdings hatten wir beim Aufziehen des ersten Beadlock (vorne rechts) wohl ein wenig geschludert und den Bypass nicht ordentlich verlegt. Ergebnis war, daß ich den Reifen zwar ohne Probleme schnell aufpumpen konnte, das Ablassen jedoch Ewigkeiten gedauert hat. Irgendwann habe ich das Ventil sogar rausgeschraubt und bin 20 Minuten Piste gefahren, bis ich von 2,0 wieder auf 1,2 war. Das nervt natürlich gewaltig, war aber a) ausschließlich meine Schuld und b) nicht so schlimm, daß ich das Ding vor Ort richten wollte.


Hersteller:
Staun Products Australia
http://www.staunproducts.com/

General-Importeur Deutschland:
Offroad-Manufaktur Hamburg
Raasch & Schäfers GmbH
Kollaustr. 73
22529 Hamburg
http://www.offroad-manufaktur.de/

Montiert bei:
IAV Berg
Hennener Straße 72
58640 Iserlohn-Hennen
http://www.berg4x4.de/

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