Workshop: Achse abdichten

„Wenn es nicht mehr tropft, dann solltest Du mal Öl nachfüllen“ ist nicht gerade die beste Strategie, wenn es um die Achsen geht – im Fall der wachsenden schwarzen Flecken unter dem Allradler ist Abdichten angesagt.

Was sich so einfach anhört, ist natürlich schon ein wenig mehr als „aufmachen – RWD wechseln – zumachen“…und vor allem ist es eine schmierige Angelegenheit… 😉

Wie man die Sache richtig angeht, wie´s in der Achse aussieht und wie man das ganze wieder zubekommt, ohne hinterher Teile übrig zu haben zeigen uns Markus, Steffen, Uwe und Wolfgang im ausführlichen 5-teiligen Workshop.

Diesen Workshop wird es übrigens über kurz oder lang auch in bewegten Bildern auf DVD geben – der erste Teil wurde bereits „abgedreht“.

Nun denn: Bühne frei für den Buschtaxi-Workshop „Achse abdichten“!


Fotos: Steffen Klein, Text: Wolfgang Jung

Der Zahn der Zeit nagt an so mancher Cruiserachse, spätestens beim Austreten von Achsöl an den Innenseiten der Achsschenkel kommt man an einer Überholung nicht vorbei.

Diese Serie erhebt keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit, wir haben uns redlich bemüht, jeden Schritt im Foto festzuhalten.

Die Arbeitsabläufe sind so ausgeführt, wie wir sie als optimal ansehen; sicherlich gibt es da andere Meinungen, aber mit Hilfe dieses Berichts sollte jeder mittelmäßig begabte Schrauber in der Lage sein, diese Überholung selbst durchzuführen.

Das benötigte Material:

1 Vorderachsdichtsatz komplett, mit allen Dichtungen und Simmerringen, wie er im einschlägigen Handel zu erwerben ist.

4 Achsschenkellager, die nicht die Welt kosten und die man bei dieser Arbeit gleich mit ersetzen sollte.

2 Bronzebuchsen, die in die Achsschenkelrohre eingepresst werden. Wenn man diese nicht mit ersetzt, wird man an den neuen Simmerringen keine lange Freude haben.

ca. 1 Kg Lithium – Mehrzweckfett mit MOS-2

2 Sätze Radlager, je nach Zustand der alten Lager kann man sie ersetzen.

entsprechendes Werkzeug, wobei die 55er Nuss das herausragenste darstellt…

Begonnen wird mit dem Abbau des Deckels der Freilaunabe, die vorher auf „Free“ zu stellen ist.

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Den Sprengring auf der Achse kann man vermittels 2 Schraubenzieher oder mit einer entsprechend abgeflachten, öffnenden Segeringzange entfernen.

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Jetzt wird das eigentliche Gehäuse der Freilaufnabe entfernt. Die konischen Hülsen hinter den Muttern entfernt man am Besten mit gezielten Schlägen auf den runden Flansch des Gehäuses. Ein untergelegtes Alublech in einer Stärke von mindestens 2 Millimeter verhindert übrigens jegliche Spuren dieser Aktion.

Zwischendurch immer wieder einen kleinen Schraubendreher in die Nuten der konischen Hülsen eintreiben, sodaß sie sich aufweiten.
Anschließend kann man nach Entfernen aller Hülsen das Freilaufnabengehäuse abnehmen.

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Das Sicherungsblech wird aufgebogen.

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Jetzt kommt die 55er Nuss zum Einsatz:
Die äußere Mutter wird abgeschraubt.

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Das Sicherungsblech kann entfernt werden.

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Die hintere Mutter wird abgeschraubt.

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Der Bremssattel wird an den 2 Befestigungsschrauben gelöst und leicht zur Seite angehoben. Bitte hier sehr vorsichtig mit der Bremsleitung sein, nicht weiter als nötig biegen!!

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Die Bremsscheibe kann entfernt werden.

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Die Anlaufscheibe und das äußere Radlager können herausgenommen werden.

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Die Schrauben auf dem Abdeckblech werden entfernt.

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Das Abdeckblech kann jetzt entfernt werden. Die Lenkung dabei leicht einschlagen, da ansonsten der Bremsschlauch zu kurz ist. Hier wieder sehr vorsichtig mit den Bremsleitungen umgehen. Jetzt sollte man einen Draht, mit dem man das Blech abhängt, bereithalten.

Am sichersten wäre es natürlich, die Bremsleitungen abzuschrauben…

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Ein leichter Schlag mit dem Gummihammer löst das Achsführungsrohr, in dem auch die Bronzebuchse sitzt.

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Das Birfieldgelenk mit den abgeflachten Seiten nach oben und unten drehen, schon kann die Achswelle gezogen werden.

Bitte hierbei vorsichtig mit dem Birfield umgehen und Schläge vermeiden.

Bei dieser Gelegenheit unbedingt die Lagerfläche der Antriebswelle auf Riefen kontrollieren.

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Eine untergestellte Schale verhindert übrigens diese endlose Sauerei auf dem Boden…


Der leere Achsschenkel, man erkennt gut daß das Fett stark mit Achsöl angereichert ist.

Im Hintergrund der undichte Simmerring.

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Die Muttern des Lenkarm werden gelöst.

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Ebenso die untere Lagerführung.

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Die untere Lagerführung wird entfernt.

Die Shims jetzt für jede Seite, oben und unten, kennzeichnen, da sie in der ursprünglichen Reihenfolge wieder eingebaut werden!

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Die konischen Hülsen des Lenkarms werden durch Schläge mit einem Dorn gelockert, dabei immer wieder mit einem geeigneten flachen Schraubendreher die 4 Hülsen aufweiten.

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Der Lenkarm kann abgenommen werden. Hierzu mit einem langen Dorn von unten leicht schlagen.

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Nachdem die hinteren Blechabdeckungen entfernt sind, kann das Achsschenkelgehäuse abgenommen werden.

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Hier sieht man schön das versiffte Achsschenkellager.

Sowas gehört, wie auch die Bronzebuchse der Achsführung, nach dieser Laufleistung generell getauscht.

Man hat schließlich keine Lust, nach weiteren 50.000 km diese Reparatur nochmal machen zu müssen.

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Alles wird sorgfälig gereinigt, ein Dampfstrahlreiniger leistet dabei gute Dienste.

Das Birfieldgelenk nach der Reinigung bitte sofort gut mit Öl einsprühen.

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Die Schalen der Achsschenkellager werden mit einem langen Dorn ausgetrieben. Man beachte die dafür vorgesehenen Aussparungen!

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Alles leer, auch der Achssimmering ist entfernt….

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Die neuen Lagerschalen werden montiert.

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Ebenso der Simmerring. Ein Rohr in der gleichen Dimension erleichtert den Einbau.

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Wichtig: Der soeben montierte Simmerring wird eingefettet.

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Die obere Lagerschale wird montiert. Dabei möglichst mit einem harten Gummihammer arbeiten, nichts verkanten!

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Auch die Untere….

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Die neuen Achsschenkellager werden reichlich gefettet und eingesetzt.

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Die Filz- und Gummidichtlippe und der Metallring werden in Stellung gebracht.

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…und nur bei dieser Achse in der abgebildeten Reihenfolge.

Generell gilt: Stahlring – Gummiring – Filzring – Blechabdeckungen.

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Das Achsschenkelgehäuse kann wieder angesetzt werden. Dabei gut aufpassen daß das untere Lager nicht in den Dreck fällt, am Besten einen sauberen Lappen für alle Fälle unterlegen…

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Der untere Lagerdeckel wird mit genau den selben Shims, wie ursprünglich, versehen…

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…und eingesetzt.

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Das Gleiche oben.

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Vorsichtig in das Lager zentrieren und mit Gummihammer nachhelfen.

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Die Angelegenheit ist zumindest fixiert.

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Die konischen Hülsen werden wieder eingesetzt.

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Ein Überblick….

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Die Muttern handfest anziehen, immer schön diagonal verschrauben…

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…und anschließend mit dem Drehmomentschlüssel festgezogen. Anzugsmoment: 8,5-11 kg-m.

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Die Filz- und Gummidichtungen werden in Position gebracht, die Blechabdeckungen verschraubt. Darauf achten daß die Gummilippe und der Stahlring sauber in der Nut des Achsschenkelgehäuses sitzen.

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Fertig, von hinten jedenfalls….

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Das Birfieldgelenk richtig mit Fett volldrücken, dabei immer wieder bewegen!

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Ebenso das Gehäuse. Die Öffnung zum Diff dabei freilassen.

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Jetzt wird die Achswelle wieder montiert. Bitte diese hierbei sehr vorsichtig am Simmerring einführen, da dieser leicht beschädigt werden kann!

Die abgeflachten Seiten des Birfields zeigen hierbei nach oben und unten.

Die Achse leicht in alle Richtungen bewegen, ein 2. Mann sollte dabei die vordere Kardanwelle leicht hin und her drehen, nur Geduld….

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So, und hier die Ursache allen Übels:

Die eingelaufene Bronzebuchse. Zwar auf dem Bild schön sauber, aber die Achse hat in dieser so viel Spiel daß man mit einem neuen Simmerring, ohne die Buchse zu wechseln, nicht allzu lange Spass hätte.

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Also raus damit!
Die einfachste Methode ist, wenn man einen Schraubstock zur Hand hat, die Buchse damit am Bund zu stauchen.

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Und das geht folgendermaßen:
Der Bund wird in den Schraubstock gespannt, leicht getaucht, um eine achtel Umdrehung gedreht, wieder leicht gestaucht und das Ganze dann über ca. 2 Umdrehungen wiederholt.

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Anschließend kann man das Teil leicht durch ein paar Schläge mit Hammer und Dorn heraustreiben.

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Voila!

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Alternativ gibt’s auch noch die Meißelmethode, wenn man einen 2. Mann zur Hand hat…

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Eine Arbeit, wo man wieder den 2. Mann zum Drehen braucht, wobei der Andere rundherum den Meißel zwischen Buchse und Rohr treibt. Dabei den Meißel genau im richtigen Winkel handhaben, um Schäden an der Achsführung zu vermeiden.

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Die Reste der Bronzebuchse werden mit einem Dorn herausgetrieben.

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Die neue Büchse wird im Schraubstock eingepresst. Wichtig sind hier die Schutzbacken!

Bei dieser Arbeit immer wieder das Werkstück ausspannen, um zu kontrollieren, ob die Buchse wirklich gerade sitzt.

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Fertig eingepresst!
Man beachte: Die Buchse wird beim Einbau gestaucht. Sie hat also im eingepressten Zustand ein kleineres Maß!

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Noch ein letzter Blick und etwas Fett auf das Birfield….

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…Dichtung dazwischen und aufsetzen.

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Immer schön, wenn man helfende Hände zum Schrauben hat.

Man beachte die dichten Haarkleider der Beteiligten…

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Das Abdeckblech und der neue Simmerring, der selbstverständlich leicht gefettet wird.

Jetzt fehlt nur noch die Bremsscheibe.

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Die alten Radlagerschalen werden mit einem Dorn herausgetrieben. Dabei immer schön im Kreis schlagen.

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Die neue Lagerschale wird nun eingesetzt. Ich nehme die alte zum Schlagen, um Schäden an der Neuen zu vermeiden.

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Wie gesagt, mit viel Gefühl und immer schön im Kreis.

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Die neue Lagerschale. Mit dem Fingernagel kann man prüfen, ob alles bündig sitzt.

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Bevor man den Simmerring montiert, sollte das Lager eingesetzt werden….
Natürlich schön gefettet!

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Zum Abschluss wird der Simmerring eingesetzt. Anschließend, wie gesagt, etwas Fett auf die Dichtlippen…

Auch die Radnabe muss jetzt mit viel Fett gefüllt werden.

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Sitzt!

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Noch ein paar Hübe aus der Fettpresse, bevor….

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…die Anlaufscheibe eingesetzt wird. Diese hat übrigens lagerseitig meist Einlaufspuren. Man kann sie aber wiederverwenden, dreht sie zum Einbau einfach anders herum, also die unversehrte Seite zum Lager.

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Jetzt die erste Mutter. Hier ist Fingerspitzengefühl angesagt: Man dreht das Ganze erst mal ordentlich fest, „bis Wasser kommt“, um mögliche schlecht sitzende Lagerschalen ausschließen zu können. Hierbei an der Bremsscheibe drehen.

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Anschließend wird die Mutter gelöst, bis die Nabe sich von Hand drehen lässt, dann ganz leicht andrehen.
Das Werkstatthandbuch gibt hier einen Wert von 0,4-0,7 kg-m vor.

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Das neue Sicherungsblech kommt zwischen die Muttern.

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Die 2. Mutter wird angezogen, nachdem man eins der Sicherungsplättchen nach innen gebogen hat.
Anzugsmoment: 8 – 10 kg-m

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Jetzt noch die außenliegende Mutter vermittels des Blättchens sichern, abschließend noch etwas Fett…

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Das Freilaufnabengehäuse mit neuer Dichtung. Die konischen Hülsen werden eingesetzt…

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…und verschraubt.

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Jetzt kann der Bremssattel wieder an seine gewohnte Position. Vorsichtig mit den Bremsleitungen!

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Der Sprengring wird wieder eingesetzt. Jetzt erkennt man den Sinn der Gewindebohrung an der Achse: Da kommt eine 6er Schraube rein, mit der man die Achswelle bis zum Anschlag herausziehen kann, um den Sprengring montieren zu können.

Die Schraube abschließend wieder entfernen.

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Der Deckel der Freilaufnabe mit neuer Dichtung im „Anflug“. Vorher etwas Fett, nicht zuviel, sonst tut’s die Freilaufnabe nicht mehr.

Wenn der Deckel im ersten Versuch nicht ganz reingeht, einfach um eine Raste verdrehen.

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Zusammen Schrauben macht Spass…!

Danke an Uwe, Markus, Steffen für ein wirklich nettes Wochenende.

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