Versicherungswechsel: Billig kann teuer werden

Am 30. November ist es wieder soweit: Bis zu diesem Termin müssen Verbraucher, die ihre Kfz-Versicherung wechseln wollen, ihren alten Vertrag kündigen. In der Regel läuft ein Kfz-Versicherungsvertrag vom 1. Januar bis zum 31. Dezember eines Jahres. Wenn der Vertrag nicht spätestens einen Monat vor Ablauf gekündigt wird, verlängert er sich automatisch um ein Jahr. Das bedeutet, wer zum 1. Januar des nächsten Jahres wechseln will, muss seinen bestehenden Vertrag bis einschließlich 30. November schriftlich kündigen. Dabei ist zu beachten, dass die Kündigung fristgerecht beim Versicherer einzugehen hat, um wirksam zu sein. Und nicht zu vergessen: Bevor man den alten Vertrag kündigt, sollte auf jeden Fall die Deckungszusage des neuen Kfz-Versicherers vorliegen.

Laut einer Erhebung des Kölner Marktforschungsinstituts Yougov soll in diesem Jahr fast die Hälfte der Kfz-Versicherungskunden darüber nachdenken, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Dabei geht es demnach mit 85 Prozent der überwiegenden Mehrheit vor allem darum, weniger für ihr Fahrzeug zu bezahlen, und nur 27 Prozent sind auf bessere Versicherungsleistungen aus. Aber ist einem Versicherungsnehmer allein mit einem günstigeren Preis tatsächlich gedient?

Nein, meinen Experten. Für entscheidend auch bei der Qualität einer Kfz-Versicherung halten sie das viel zitierte Preis-Leistungs-Verhältnis. Oder anders formuliert: Eine extrem billige Police kann einen Versicherungskunden im Schadensfall teuer zu stehen kommen. Deshalb sollten vor einer Wechselentscheidung akkurat die Leistungen der verschiedenen Anbieter verglichen und in Relation zu den Kosten gesetzt werden, empfiehlt das von der HUK-Coburg getragene Goslar Institut für verbrauchergerechtes Versichern.

Worauf gilt es dabei zu achten? Ganz pauschal lautet hier die Devise: Die richtige Kfz-Versicherung sollte umfassende Leistungen zu einem attraktiven Preis bieten. So empfehlen Verbraucherberater zum Beispiel konkret, bei der Kfz-Haftpflichtversicherung insbesondere auf eine ausreichend hohe Deckungssumme zu achten, um sich vor bösen Überraschungen im Schadenfall zu schützen. Dies bedeutet, dass der gewählte Versicherungsvertrag statt der gesetzlich vorgeschriebenen 7,5 Millionen Euro für Personenschäden eine 100-Millionen-Euro-Deckung für Personen-, Sach- und Vermögensschäden vorsehen sollte. Außerdem raten Fachleute zu einer so genannten Mallorca-Police, einer Ergänzung der Kfz-Versicherung, die bei Mietwagenfahrten im Ausland die Haftpflicht-Versicherungssumme auf deutsches Niveau anhebt. Denn in vielen Reiseländern sind die Deckungssummen der Kfz-Haftpflicht sehr niedrig und speziell bei Personenschäden viel zu gering, warnt das Goslar Institut.

Ein besonderes Augenmerk sollten Versicherungskunden auch auf die Regelungen zur Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt haben. Aufgrund unterschiedlicher Vertragsbedingungen können Versicherungsnehmer hier nämlich leicht in eine Kostenfalle tappen, wenn der vermeintlich günstigere Anbieter sich mit Beitragserhöhungen nach einem Schadenfall letztlich als teurer erweist.

Bei einer Kasko-Versicherung sollte darauf geachtet werden, dass sie auch die Leistungsverweigerung bei grober Fahrlässigkeit ausschließt. Eine gute Kasko-Versicherung kommt zudem für Zusammenstöße mit Tieren aller Art auf und zahlt generell bei Tierbiss – inklusive der Folgeschäden, die ein Tierbiss am eigenen Pkw hinterlässt. Sparfüchse können sich ferner überlegen, ob sie mit einem so genannten Telematik-Tarif Geld sparen wollen: Bei diesen Verträgen wird sicheres und vorausschauendes Fahren mit Rabatten belohnt. Dazu werden Fahrdaten mittels Sensor und einer App registriert. Und noch eine clevere Abrechnungsart ist auf dem Markt zu finden: Die Kfz-Versicherung von FRIDAY z.B. bietet einen Tarif mit kilometergenauer Abrechnung.  Der Jahresbeitrag wird anhand einer vom Kunden angegebenen geschätzten Kilometerzahl berechnet, zugrunde liegt ein Sockelbetrag. Die tatsächlich gefahrenen Kilometer werden am Ende des Jahres übermittelt, dementsprechend gibt es eine Rückerstattung oder eine Nachforderung.

Wie üblich zum Ende der alljährlichen Wechselperiode versuchen Versicherer immer wieder, Kunden mit scheinbar besonders attraktiven Angeboten zu locken. Daher sollten bei unaufgeforderten Offerten die Konditionen sorgfältig verglichen werden, um nicht auf abgespeckte Werbe-Angebote hereinzufallen. Zahlreiche Verbraucher versuchen, sich hierzu auf Vergleichsportalen im Internet einen Marktüberblick zu verschaffen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Die Übersicht ist längst nicht so vollständig, wie der Kunde glauben soll, da nicht alle Anbieter aufgeführt werden. Wer sich also wirklich umfassend über einen möglichen Wechsel informieren will, sollte Verbrauchermedien zu Rate ziehen und sich direkt auf den Internetseiten der Versicherungsgesellschaften umsehen.

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