20 Series Einzelstück in Brasilien entdeckt

Júnior Almeida lebt in Campinas, São Paulo, ist studierter Werber mit Abschluss in „Social Communication“ und…Autonarr. Mittlerweile Marketingleiter im elterlichen Betrieb, hat er sich in relativ kurzer Zeit eine recht skurrile Sammlung aufgebaut, die von Vorkriegs-Schnauferln bis hin zu eigenwilligen Sonderumbauten reicht. Seine Philosophie beschreibt er treffsicher:

„Ich habe Autos schon immer geliebt. Nach und nach habe ich Autos erworben, die mich nicht nur persönlich gefesselt haben, sondern die auch ganz allgemein auch ihre Spuren in der Industriegeschichte hinterlassen haben. Nicht zuletzt möchte ich mit meiner Sammlung auch zukünftigen Generationen zeigen, dass der Mensch sich in Krisenzeiten auch immer selbst neu erfinden kann. Ich glaube, dass das Auto eine der großartigsten Erfindungen der Menschheit und auch ein starker künstlerischer Ausdruck ist – und, vor allem, dass es die Gesellschaft reflektiert.“

Ein besonderes Faible hat er für den Toyota Land Cruiser, der auch in Brasilien eine lange Tradition und einen famosen Ruf hat. Schon 1955 hatte Toyota den Land Cruiser nach Brasilien exportiert: Der Japaner Ichiro Nashitami gründete die „Sociedade Comercial Arpagral Ltda.“ und übernahm fortan die Repräsentanz für Toyota Trucks und den Land Cruiser. Nachdem der neue japanische Allradler auf dem südamerikanischen Markt gut angenommen wurde, überzeugte Nashitami-san die Familie Toyoda zum nächsten konsequenten Schritt: Ab 1959 wurde der Land Cruiser FJ25 bei Toyota do Brasil montiert – in der „Completely Knocked Down“-Montage, also auf Basis komplett zerlegt angelieferter Bausätze. Aufgrund der rasant steigenden Nachfrage in Südamerika wurde jedoch recht schnell die Entscheidung getroffen, im brasilianischen São Bernardo do Campo eine eigene, komplette Fertigung aufzubauen. 1962 war es soweit: Der J4 wurde fortan als „Toyota Bandeirante“ bei Toyota do Brasil produziert, ab 1968 auch ohne jede Teilelieferung aus Japan.

Die Anfangsjahre waren wild, und die Toyota-Mannen waren hinsichtlich des Land Cruiser sehr flexibel: Wenn ein neuer Einsatzzweck auftauchte und die Idee gut war, wurde der Land Cruiser entsprechend angepasst. So entwickelten sich recht schnell verschiedenste Versionen für alle möglichen Bereiche des Arbeitslebens.

Ein besonders schönes, ja fast barockes Exemplar hat Júnior Almeida vor kurzem im Juli 2016 aufgetrieben: Einen Land Cruiser „20 Series“ mit Station-Aufbau.

2016-08 junior almeida 20 series 01

Was wir hier sehen, ist schwer zu beschreiben: Ein J20, sicher, aber äußerlich nur bis kurz vor die A-Säule. Der Rest ist…ungewöhnlich. Das liegt daran, dass es sich hier („nach Stand der Ermittlungen“) um ein Einzelstück handelt. Júnior hat umfangreiche Recherchen angestellt und bislang folgende Geschichte ermittelt: Nashitami-san nahm wohl einen 1957 importierten FJ25 in der „Chassis and Cab“-Version (also Fahrgestell und Kabine als Basis für weitere Aufbauten) und beauftragte die Karosseriespezialisten von ALCAR ltda. in Sao Paulo mit dem Umbau: Der Rahmen wurde offensichtlich verlängert, die Komplette Struktur des Aufbaus aus Holz gefertig, darüber kam Karosserieblech. Das Heck (also die Heckklappe und die Ecken) wurde offensichtlich vom Volvo PV445 (bei uns Volvo Duett) übernommen, ein Lizenzbau von Volvo Carbrasa in Brasilien. Woher Frontscheibe, Dachansatz, Türen stammen, ließ sich noch nicht ermitteln. Das Ergebnis ist jedenfalls ein wirklich außergewöhnlich schöner Station Wagon mit ausgewogener Linienführung und einer Menge Platz im Innenraum. Wie beim späteren FJ45v wurde auch hier die Karosserie direkt nach der Motorhaube verbreitert, um mehr Raum zu schaffen. Mit der Fahrerbank, dem klappbaren Beifahrersitz und der Rückbank hatten 6 Personen Platz, und hinter die Rückbank passte sogar noch eine ganze Menge Gepäck. Keine Frage: Hier hat jemand Hand angelegt, der genau um Proportionen und Linien wusste, und das Ergebnis ist einmalig!

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Auch Fertigungsqualität und Finish sind laut Júniors Eindruck sehr hoch, und dass dieses Prachtstück in seinem unrestaurierten (!) Zustand noch so hervorragend dasteht, liegt nicht zuletzt an den nachweislich nur zwei Vorbesitzern, die offensichtlich mehr als pfleglich damit umgegangen sind.

Das Buschtaxi wird Júniors Nachforschungen weiter begleiten: Die Geschichte dieses Land Cruisers ist es wert, detailliert niedergeschrieben zu werden!

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