„Wir brauchen das ‚U‘ aus ‚SUV‘ zurück!“ – Mohammed Aouns Design-Ideen

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Mohammed Aoun ist ein Autonarr. Geboren in Baghdad, siedelte er nach Abschluss des Grafikdesign-Studiums an der dortigen University of Visual Arts zuerst nach Dubai und schließlich nach Seattle über, wo er sich als Gestalter in vielen Produktbereichen verdingt und seiner Kreativität freien Lauf lässt. Besonders angetan haben es ihm Autos – und hier vor allem die Offroader. Und genau so wurde er auch im Netz bekannt: Seine Zeichnungen und 3D-Renderings von futuristischen SUV-Studien wandern durch die sozialen Netzwerke und rufen wahrlich die komplette Bandbreite an Reaktionen hervor.

Gerade jetzt in diesen Tagen werden seine Entwürfe wieder hochinteressant: Toyota USA wird an diesem Mittwoch, den 12. April, auf der New York International Auto Show ein Konzeptfahrzeug vorstellen, das eventuell (!) einen Ausblick auf den Nachfolger des FJ Cruiser zeigen könnte. Und genau diese Idee hat es Mohammed Aoun schon seit längerem angetan, wie man an seinen Entwürfen ablesen konnte. Zeit für ein Interview.

 

[Buschtaxi] Mohammed, Du hast für kleine und große Unternehmen in allen möglichen Branchen gearbeitet – durftest Du auch für Toyota schon Entwürfe erstellen?

[Mohammed Aoun] Ich hatte bislang leider nie die Möglichkeit, für einen Automobilhersteller zu arbeiten, also leider auch nicht für Toyota. Aber ich stehe hin und wieder in Kontakt mit ihren Designern und sende ihnen auch Entwürfe. Ich bin zwar Designer, aber ich habe keinen Abschluss einer „Automotive Design School“, was leider ein kleines Hindernis darstellt. Aber ja, das wäre mein Traum. Deshalb denke ich darüber nach, nach Kalifornien umzuziehen, um eines Tages die Chance zu bekommen, für „TOYOTA Calty Design Research“ zu arbeiten.

Du bist offensichtlich ein Autofreak, Du hast eine klare Präferenz für Off-Roader und Du magst offensichtlich Toyota. Was fasziniert Dich daran?

(lacht) Ja, es ist eine Faszination, ohne Frage. Nun: Ich bin vielleicht ein kleiner Abenteurer. Ich liebe es, draußen zu sein und Orte aufzusuchen, die sonst kaum jemand erreicht. Deshalb mag ich Toyota: Ich glaube, dass Toyota immer noch einfache Fahrzeuge herstellt, die ein wenig „old school“ sind, aber mit neuer Technik wie Crawl Control und ähnlichem aufwarten können. Ich habe etwas über 7 Jahre in Dubai gelebt, dort fuhr ich einen FJ Cruiser. Wir sind fast jedes Wochenende raus in die Wüste gefahren und ich weiß noch genau, wie ich nach einem solchen Wochenende non-stop wieder in die Stadt zurück- und am nächsten Morgen mit dem FJ Cruiser zur Arbeit gefahren sind. Meine Freunde haben für ihre Jeeps regelmäßig den Abschleppwagen rufen müssen. Toyota-Fahrzeuge sind einfach grundsolide und verlässlich, das fasziniert mich.

Deine Studien zum FJ Cruiser sind sehr scharf gezeichnet und fallen einem sofort ins Auge. Dennoch ist der Stil des FJ Cruiser glasklar erkennbar. Was waren Deine Grundgedanken bei der Gestaltung?

Nun, ich glaube, dass Toyota dringend eine neue „Legende“ gestalten muss, eine Legende wie den FJ40 oder FJ55. Ein Auto, das mit sehr guter Offroad-Ausstattung fertig beim Händler steht und für Leute wie Dich und mich bezahlbar ist. Ein Auto, das man vom Händler direkt ins Abenteuer steuert, nicht zum Aftermarket-Shop für weitere Umbauten. Das wollte ich bei meinen Design-Ideen von vornherein berücksichtigen, deshalb schaut er so „böse“ aus.

Wenn Du Dich in der automobilen Welt ein wenig umschaust – was sind in Deinen Augen die größten Missgriffe? Was sind die besten Ideen? Wo geht es alles hin? Und, vor allem, was könnte eine mögliche designerische Richtung für den Allradsektor sein?

Wow, das ist eine große Frage! Ich bemerke, dass das Offroad-Design immer mehr Richtung SUV, Familien-Fahrzeug oder Crossover steuert, es gibt kaum noch die „großen Spielzeuge“ von einst, die böse ausschauen und einfach nur Spaß machen. Es sind nur noch Stadtfahrzeuge unterwegs. Nach der Einstellung des FJ Cruiser zeigt einzig noch der Jeep Wrangler ein wenig Kante, und das ist schade. Was die besten Ideen sind, wo das alles hinführt? Hm…ich denke, wir brauchen wieder ein „großes Spielzeug“, das auch optisch richtig viel Spaß macht. Vielleicht sogar eine Art „Lego-Auto“, das nach Lust und Laune ergänzt werden kann, je nach Einsatzzweck. Ein fest vorgesehener Schlafplatz sollte Teil des Designs sein, ebenso eine Kamera-Drohne für 3D-Karten der Umgebung, vor allem nachts. Und die schlimmsten Fehlgriffe? Naja, unter anderem sogenannte „Offroader“, die das Ersatzrad unter dem Heck tragen… 😉

Wenn Du Dir die Land-Cruiser-Historie anschaust: Welchen Land Cruiser siehst Du als „Klassiker“, was gefällt Dir besonders?

Definitiv FJ40 und FJ55. Das sind Fahrzeuge, die einfach nach unstoppbarer Offroad-Maschine ausschauen. Reine und echte Muskelpakete ohne moderne Fake-Plastik-Abdeckungen, die alles nur vorgaukeln.

Was hältst Du von der aktuellen Land-Cruiser-Produktlinie, also vom Dreigestirn Land Cruiser 70 Series, Land Cruiser Station Wagon (200 Series) und Land Cruiser Prado (150 Series)?

Mein Favorit ist natürlich der Land Cruiser 70. 150 und 200 sind fantastische Autos, aber sie fühlen sich für mich nicht mehr nach Abenteuer an. Wenn ich abgelegene Orte besuchen möchte, dann brauche ich ein Fahrzeug, das sich auch nach „Outdoor“ anfühlt, also z.B. auch offen und pur gefahren werden kann. Deshalb habe ich mein FJ-Cruiser-Konzept auch so angelegt. Wir brauchen das „Utility“ zurück, das in „SUV – Sports Utility Vehicle“ steckt.

 

Mohammed – Danke für Deine Zeit und Deine ausführlichen Antworten, ich wünsche Dir viel Erfolg!

Ich danke Dir für die Möglichkeit, meine Geschichte zu erzählen!

 

Hier findet Ihr die letzten Arbeiten, die Mohammed dem Toyota-Chefdesigner geschickt hat:
http://moaountoyota.weebly.com/

…und hier seine Facebook-Seite:
https://www.facebook.com/Chost4fj/

…und seine Website:
http://www.moaoun.com

 

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